Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 1)
- Language
- German
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262 Bviefe 011$ Wien. Briefe aus Wien. VI. Milk« Moi ISäü. Ost fchon Machte ich an den weisen Äönig und an den goldenen Ausspruch: ״Lage nicht die vergangellcn Zeiten waren besser׳, denn nicht aus Weisheit sprichst du so." Zeh denke und dachte immer daran, so oft ich glaubte unsere Zeit sei fchlocht. — Die srüheren sind uns entschwunden und wir sehen nicht all das Peinliehe, das sich an jene Zeiten gehängt hat. Zeh deute heute wieder an obigen Lau, indem ich daran gehen will, einige Lchattenseiten in! hiesigen Gemeindelehen zu berühren. Es ist unnöthig zu bemerken, daß dahei nicht meine Absicht ist zu-höhnen und zu spotten. Zeh will auf den wunden Zleck zeigen, um wo möglich die 'Besserung berbeiznfü!׳ren. Ich sprach von E>emeindcleben; gibt es hier wohl ein folchex*? — Meine ersten Briese werden Ihnen gezeigt haben, daß nur hiervon bei der eigentlichen l^^neinde nichts besitzen. Nun ist es gewiß wahr, daß das >de!nllawesen als solches sehr viele unerfreuliche Seiten darbietet. Wer kennt nicht die 1m׳Mlis:1nce, die öfters da getrieben wird, wer weiß nicht von dein Ehrgeize, .der da obwaltet! Aber die alchilla hat auch ihre Lichtseiten. Wir ree! neu vor Allem dazu das בוזרך עמי א:בי "ושב, das in und mit seinem Volke leben; die stete Sorgfalt eben, die man für das Interesse der (^emeindcangelegenheiten hat. — Ich verkenne dahei nicht im Entferntesten die wahrhaften Verdienste, die der hiesige Vorstand um die (Gemeinde hat; ich zolle ihm aus vollem Herzen die ihm gebührende Anerkennung. Der Vorstand besteht aus Männern, die dev Gemeinde zur Zierde gereichen, Es besitzt jeder der Herren eminente Vorzüge, und mall könnte wie voll jenen! englischen Ministerium, das vor kurzer Zeit die Zügel der Negierung faßte, auch hier sagen, cs sei eil! Vorstand der E apacitaten. Wenn ich dabei namentlich den Herrn Joseph Wertheimer hcrausbehe, so geschicl't cs, weil dieser seine Lhatigkeit nicht blos auf die hiesige <Vemcinte heschrankt, sondern mit gleicher Liebe alle seine Glaubensgenossen umfangt. Er wird hei feinem einstigen Heimgänge ans zwei Anstalten Hinweisenkönnen, die seinen Namen erhalten werden: Handwerksverein und >Undcrdewahranstalt. — Aber diese Anstalten sind mehr für die Fremden, als für Wien berechnet. Was man aber vermißt, und zwar spreche ich da nicht vom Borstände, ist, daß die religiösen Angelegenheiten u. s. w. als Amt betrachtet werden, wobei eö freilich sehr viele Ausnahmen gibt. Welch