Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 1)
- Language
- German
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216 Briefe »11»» Oesterreicii. Briefe aus Oesterreich. 111. Indem ich daran gebe, über U n # a r n zu berieten, flcflchc ich aufrichtig, daß ich lange bin- und ber sann, wo bei diesem großen Kronlande zu beginnen sei. (Hn Blick auf die Karte des Kaiserstaates wird Ihnen zeigen, daß dieses Kronland einen großen Tbeil des Staates anSmacht. Die Juden sind darin nicht spärlich vertreten, und diese füllen die ganze Stufenleiter der Parteien und Parteiungen aus religiösem Gebiete aus. Bon den Ultrareformern, die in Pestb einen Gottesdienst :1 la Berliner Reformgemeinde batten, der durch den Willen der Negierung aufgehoben wurde, bevor er in sich zusammenbrach, bis zu der äußersten Ortbodoric, die zwar jetzt nicht ihren l>entralpunkt in Preßburg bat, und den ivhasitim, sind alle Schattirnngen und Nuancen vorhanden. Dieselbe Mannigfaltigkeit tritt auf jedem andern Gebiete des Lebens hervor. Versuchen wir in diesem Gewirre einen Faden zu finden. Wir wollen also an unseren Bericht über Böhmen anknüpfen. In Ungarn gibt es bekanntlich neben den Katholiken einen großen Tbeil Protestanten. Auch fehlt es nicht an anderen christlichen Seeten. Das Verbaltniß zwischen Juden und Nichtjuden ist jedoch da am freundlichsten, wo die eigentlichen Magyaren wohnen. Slowaken und Deutsche wetteifern gleichsam in ihrer 'Abneigung gegen den Juden. Der Slowake, wohl zu unterscheiden von dem Slaven. bat in seiner Rohbeit nicht genug Sinn und Verständnis; für jüdische Sitte und jüdisches Leben; der Deutsche wieder sucht mit einem gewissen Anstriche von sogenannter Philosophie (sagt man doch stets, daß die Deutschen ein Bolk von Denkern sind!) über das Iudenthum abzuurtbeilen. Daher kam es auch, daß bei dem Ausbruche der Unruhen im Jahre 1848 die Meute gegen die Juden sich nur in jenen Bezirken erhob, wo entweder Deutsche oder Slowaken wohnen, die eigentlich uugarischeu Bezirke hliebeu verschont. Wir wollen hier nicht den Ursachen nachspüren, möglich laßt sich psychologisch eine Entschuldigung finden. Die Deutschen wie die Slowaken sind früher in Ungarn niedergcbalten worden. Der ,,max.var isten“ (der ungarische Gott) hat bloö an den Ungarn Wohlgefallen und das Volkssprichwort tot nein ember f) (der Slave ist kein Mensch), 1) Wir haben hier nur zwei Sprüche herausgehoben, wie sie in. dem Herzen jede- Ungarlebten.