Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Erläuterung des "historischen Datums im Buche Sohar"
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
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Notizen. 151) zu beziehen. Entweder der Sobar ist — nach der alttradirten "Annähme — alter als das 4. Iabrbundert, oder er ist— wie die Kritik vermutbet — viel jün§er und mitbin jene Anspielung auf specielle Vorfälle einer langst verflossenen Zeit nicht denkbar. Von einem weltbeherrschenden römischen Kaiser wie Julian würde es auch nicht bloS beißen שליטא דד,היא קרתא. Uebrigenö stürzte selbst nach den blos in Grifts. Kirchenschriststettern mitgetbeilten Fabeln der Tempel in Ierusalem damals nicht ein, daß man den Ausdruck היבלא רברבא ינפול darailf beziehen könnte, sondern unterirdische Flammen sollen ausgebrockcn sein und die Fortsetzung des Baues verhindert haben. — Die gedachte So barstelle muf; aber in ihrem wahren (leiste aufgefaßt werden: es sott dort nicht ausgesprochen werden, daß gerade zu derselben Zeit Jerusalem wirklich erbauet werden sollte. Im (ringange beißt eS vielmehr, daß Manches (von dem was erzählt wird') in dieser Zeit, Manches spater nnd Manches erst in den Tagen des Messias sich ereignen werde. Der Verfasser wollte in dem זמין ד ק ״בה למבני ירושלב mir andeutcn, daß in jener Zeit wirklich Symptome sich kundtbaten, welche die baldige Grbanuug Jerusalems, d. h. die Wiederherstellung der wahren Gottcshcrrschaft in ihr, zuversichtlich hoffen ließen. — Nach meinem Dafürhalten beziehet sich nämlich jene Sobarftelle weder ans 1280, noch auf 307, sondern auf da§ Iabr 1204! — In letztgedachtem Jahre war der in unseren Tagen wieder erwartete große Komet von P'ndc Juli bis znm 2. Oct besonders in Nom sichtbar: er zeigte sich daselbst prachtvoll, mit einem säbelförmig gekrümmten 100 Grad langen Schweif (so daß die Beschreibung des Sohar nicht einmal sehr hyperbolisch ist"), und verschwand an demselben Tage, an welchem Papst Urban IV. starb. (Vgl. wisse,isch. Beil, zur offiziellen Leipz. Zeit. v. 17. Jan. 1850. S. 19.) Man glaubte, jener große Komet sei ein Vorbote seines Todes. In derselben Zeit gab cs mehrere Aufstände und Gefechte in und bei Nom. Die Aufwiegler suchten den flüchtigen Papst in Orvieto auf; das große und feste Schloss (דדבלא רברבא) Bizimento fiel endlich in ibre Hände; der Papst mußte in einer Sänfte fortgetragen werden, um sein Leben zu retten, ward unterwegs krank nnd starb bald darauf am gedachten 2. Oct. (Vergl. Muratori, Gesch. v. Italien, 8. Tb. S. 72, Hist, des Papes t. 3. p. 235, de la Gonrnerie, Rome chrcticnnc t. 1. p. 425 und andere alte antbcntische Quellen—־ Nach dem Tode des Papst Urban IV. trat Grschlaffuug imkatholischen Glauben ein, das von ibm cingefübrte FrobnleichuamSfcst kam sogar wieder in Vergessenheit. Die Kardinale konnten sich lange nicht einigen, wen sie $um Papste wählen sollten; die Ghibeltincu erhielten wieder die Oberhand nnd dachten ernstlich daran, dem künftigen Pabste mindestens die weltliche Herrschaft zu entreißen. Das lateinische Äaiserthum war kurz vorher in die Hände der Griechen l) Vgl. auch Raumer, Gefch. der Hobenftaussen Tb. -1. S. 491 (Auög. 1821), wo es beißt: ״Olott habe den furchtbaren Komet lsichtbar von Julius bis September) in diesen Jahre tlärlichst angedeutet, und des Pabstes plötzlicher Tod erweise nun, wer die Strafe wahrhaft verdient und wem die Warnung gegolten habe." —