Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Geschichte der Juden in Holland
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
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Geschichte der Juden in Holland. 133 höflich und weniger mit den Eigenschaften ausgerüstet, die man in der großen Weil feine Sitten oder Anstand nennt. Ja, bei der bei weitem größeren Mehrzahl, vorzüglich bei den Armen, entdeckt man eine Rohheit und Ungezogenheit, wovon man sich kaum eine Vorstellung machen kann. (5s bedarf jedoch keiner Erwähnung, daß auch hier manche Ansnahmen sich sinden. Eine Anzahl unter ihnen hat mit Bewältigung aller Hindernisse eine Höhe erreicht, die um so mehr unser Stanucn erregt, wenn man die Größe der Schwierigkeiten betrachtet, womit sie sowohl durch die Beschränktheit ihrer pccuniären Mittel, als der Intoleranz mehrerer Ehristcn zn kämpfe» hatten. Derselbe Schriftsteller fügt noch bei der Betrachtung des Unterschiedes zwischen diesen beiden Theilen desselben Volkes hinzu: ״Beide hassen einander, da die Hochdeutschen den Stolz der Portugiesen auf ihren Reichthnm nicht ertragen, und sie dafür mit Scheltworten begegnen, die jene ihnen mit nicht weniger Bitterkeit znrückgeben. Inzwischen hat dieser Haß seit den letzten Jahren merkbar abgenommen, um so mehr, da die hochdeutschen Inden sich so sehr emporgehoben, und die Portugiesen znrückgcgangen sind; ja sie nähern sich jetzt seit einiger Zeit gegenseitig, nicht bloS im gesellschaftlichen Verkehr, sondern auch durch Heirathen." Unter den verschiedenen guten Eigenschaften der hochdeutschen Juden hätte der angeführte Schriftsteller nennen können: ihren Widerwillen gegen Trunkenheit, und im Allgemeinen gegen jede Art Unmäßigkeit, ihre eheliche Treue und (gegenüber dem Einflüsse, den die ungläubige französische Literatur ans die Portugiesen ausgeübt) ihre scrupulösc Religiosität. In letzterer Beziehung hat wirklich die Aufsicht der Rabbiner über den Unterricht der Kinder der Gemeinde manches Gute gestiftet. Man hat die Bemerkung gemacht, daß nicht allein die Zahl gestrafter jüdischer Verbrecher ein vorthcilhaftcö Resultat gewährt, in Vcrhältuiß zu der übrigen Bevölkerung, sondern daß auch die Wiederholung der Verbrechen bei den Juden seltener vorkommts). Ein Ueberblick der NahrungSzwcigc der hochdeutschen Juden während dieses Zeitraumes zeigt auch dasselbe Fortschreitcn in ihrem socialen Zustande, das wir auch in anderen Beziehungen bei ihnen bemerkt haben. Im Anfänge ernährten sich die mcisteit!>) I- D. Meyer, angeführt bei Jost, Allgem. Gesch. Bert. 1832. Th. 11. S. öOK.