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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 3 · p. Seite 123

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 3
Article
Ein zu Constantinopel gegen die Juden gerichteter Anlauf [Nachricht]
Date
1856-01-01
Page
Seite 123 (sequence 5)
Language
German
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Notizen. 123 Freitag am frühen Morgen machte ich Herrn v. Castro die Anzeige davon; ich kenne seinen Einfluß aus hochgestellte Männer, und war überzeugt, daß mein Schritt kein vergeblicher sein werde. Der ehrenwerthe Herr ging sogleich mit mir. An Ort und Stelle angekommen, fanden wir nicht weit von der Brücke nach Constantinopel einen Volkshanfen, zusammengesetzt aus Griechen, Armeniern und Türken, der alle vorübergehenden Juden mißhandelte. Vor dem angeblichen Hause war die Menge dichtgedrängt: man schrie, fluchte und warf Steine gegen das HauS. An zehn Israeliten aus Corfn kamen am frühen Morgen herbei, um ihren unglücklichen Glaubenöbrüdern beizustehen; sie versuchten der aufgeregten Menge die Spitze zu bieten: einige Kawasse hielten die Eingänge des Hauses besetzt und ließen Niemanden weder ein noch aus. Die jammernden Frauen riesen uns durchs Fenster zu, daß secks Personen ans den! Hause seit gestern Abend verhaftet seien, und daß sie mit ihren Kindern seit gestern Mittag nichts zu essen hätten. Was nun anfangen? Ich und Herr v. Castro sahen das Unglück, und fürchteten ein noch größeres im Allzuge. Was unsere Besorgniß am meisten erregte, das war das Zusammentreffen dieses Ereignisses mit dem Freitage, wo alle Bureau's der Hoben Pforte geschlossen sind. Wie nun jedem Racheversuch der erregten Menge Einhalt thun? Und die Aufregung war so groß, daß wir uns fürchteten, den Platz zn verlassen, ohne die entsprechenden augenblicklichen Maßregeln getroffen zu haben. Der Kommandant des nächsten franösischen Postens hat sich die Israeliten zn Dank verpflichtet; er bat beim Anblick der Gefahr ein Piket von tt Mann den Kawassen, welche die Menge nicht bewältigen konnten, zu Hülfe geschickt, und so wurde bald die Ordnung hergestellt. (Der Name dieses Kommandanten ist M. Latrobe.) Doch war unsere Verlegenheit nicht beseitigt; der Freitag war noch lange nicht um, es war erst 8 Uhr Morgens. Indessen verließ uns die Geistesgegenwart nicht und Gott gab uns folgenden Plan ein. Wir gingen nach Pera, Herr v. Castro zum Lord Canning und ich zum Herrn Baron v. Rothschild. Der Herr Baron ließ mir durch Herrn Landau einen Brief an Nustem-Pascha, den Sccretair Sr. Excellenz Fuad-Pascha, einhändigen. Lord Camüng sandte einen Dragoman an den Polizei-Minister mit der Weisung, sich, falls dieser abwesend sein sollte, zu Mehemet-Pascha, dem Kaimakan des Großvcziers, zu begeben. Da ich Nustem-Pascha nicht finden konnte, so begab ich mich zum französischen Gesandten, welcher denselben Weg einschlug wie Lord Canning. Darauf kehrten wir nach Djubali zurück und em-

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