Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829192-2829196-2854254--02782-2854286- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
100 Briefe aus Oesterreich. torisch, wie das früher der Fall war, vorschreibt. Jedem Lehrer ist es gestattet, nach einem beliebigen Lehrbuche vorzutragen, nachdem eS dem Ministerium vorgelcgt worden ist. Neben diesen Normal- und Trivialschulcn bestehen in jeder Ge« meinde eine Masse Winkelschulen, eigentlich Ehadarim, die ich Ihnen nicht erst aufs Neue schildern muß. WaS ich aber mit tiefem Bedauern aussprechen muß, ist, daß das Studium des Talmuds in der eigentlichen jüdischen Wissenschaft ganz abhanden kommt, ohne daß sie durch irgend etwas Anderes ersetzt werden möchte. Während srüher jeder Rabbiner einen Ehrenpunlt darin sah, eine ״Jcschiba" zu halten, um die Thora zu verbreite», hat dieser Gebrauch beinahe ganz aufgehört. Oft wahrlich taucht in mir die Frage auf: woher werden die künftigen Generationen die Rabbiner ncbmcn? Sollen wir denn wirklich später blos Beür-hetew-lonidim haben? Ich wünschte, daß Sie bier durch eine Redactionsnote mir und vielen Anderen mit mir die frohe Kunde bringen mögen, daß die Kandidaten des Seminars, dem Sie vorstehen, zu bessern Hoffnungen berechtige». (Hierüber vgl. oben S. 17. D. Red.) Und doch bei alledem bat Mähren ganz tüchtige Rabbiner. Herr Placzek, prov. Landesrabbiner, ist ein Mann von tiefem talmudischem Wissen und wahrhaft humanem Geiste: ferner der talentvolle Schmiedel zu Proßnitz, der wissenschaftlich strebende und begabte Oppenheim k. Der vielverdiente Wcissc ist erst jüngst von Gaya geschieden und nach Ungarn gegangen׳). Brün», die Hauptstadt des Äronlandes, ist bis jetzt noch obnc geistliches Oberhaupt; und doch wäre es da so nothwendig. Ein prachtvoller Tempel ist erbauet worden, aber er stebct zumeist verödet. Was nützt auch die äußere Pracht, wo daS וכבוד ד מלא את ההיכל fehlt. Was könnte aus dieser Gemeinde werden, wenn «in Mann an der Spitze stände, der cS versteht sie zu leiten. Doch die Mitglieder der Gemeinde, so ehrenhaft, so begabt auch manche und viele sind, wirken nicht einmüthig zusammen. Jeder hat da seine eige« nen Pläne und Ansichten, wie der Prediger oder Rabbiner gestaltet sein müsse. Das müßte aber ein wahres Monstrum sein, wenn sich jemand fände, der all den Wünschen entsprechen würde, entsprechen könnte. Die Juden Mährens mit den Ghetto'- begrüßten um so freudiger die Handels« und Gcwerbefreiheit, da dadurch am Ende doch diese Judengassen aufhörcn müßten; ferner, daß dadurch das Recht der Frei« 2) Mit tiefem Bedauern theilen wir hier die Nachricht von dem Hintritte de» durch seine talm. Gelehrsamkeit weit gekannten R. Salomo» Quetsch, Rabbiners zu Nicolsburg. mit. D. Red.