Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Alterthum über Judenthum und Juden
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Das SUtcrthim über Indentbuni und Juden. Dieser Bericht ist, wie man leicht erkennt, aus einer andern Quelle als der vorhergehende geflossen. Dieder fügt, wie Pbotius niitthcilr, hinzn: ״HekatänS der Milesier erzählte dieses über die Inden". Auch diesene Berichte ist viel Wahrheitwidrigcs eiltgemengt: der Erzähler liest sich vom Schein täuschen, mitunter fehlt selbst der Schein. Hier ist überhaupt Altes mit Neuem, die Zeit deö ersten Tempels mit der deS zweiten untereinander gewarfen. Die Eintheilnng in zwölf Stämme gehört dem ersten Tempel an, der zweite Tcnlpct batte nicht zwölf Stämme. - Für die Aufstellung der Heere an den Grenzen könnte - wenn hier eine Tbatsache zu Grunde liegt -. nur die Zeit deö zweiten Tempels eingcräumt werde». — Und dast der Hobcpriester Anskitnfl von Gott verkündige — eine etwaige Beziehung zu den: Ausspruche durch die ttrim Wctnmim Nnmer. 27, 21 — kann ebenfalls nur in die Zeit des ersten Tempels verlegt werden; der zweite Tempel hatte nicht, wie aus Jvsephus zu ersehen lnnd Joma 211) ausdrücklich berichtet), eine solche Verkündigung. Das ״zur Erden׳erfen und Nicderknicen vor dem Hohepriester" hat weder im ersten noch im zweiten Tempel eitle Begründung: vielleicht mochte der Erzähler durch die Kunde getäuscht worden srin, dast am Versöhnungstagc beim Gebete des Hohenpriesters die in der Tcmpelhalle vcrsamulcltc Ge>nei»de auf das Knie siel lIonia 6, 2). Was er ferner über den größeren Bcsitztheil der Priester berichtet, ist in beiden .)eilen der Wahrheit entgegen: die Priester hatten, wie bekannt, keinen Grundbesitz zngetheilt bekommen lNumer. 18, 20 und sonst). Ist nun aber auch der Bericht ungenau und zeigt sich als ein auf Hörensagen beruhendes Phantasiestück, so gibt dennoch eine feindliche Tendenz sich nirgends kund. Denn der Erzähler hatte nicht aus jenen syrischen Quellen geschöpft: er lebte in einer Zeit, in der sie noch nicht flössen. Fragen wir nämlich, welcher Zeit dieser HekatäuS angehörlc, so ergibt sich zwar, dast er viele Jahre nach Alexander gelebt, da er von den Einflüssen der Maeedoner auf die väterlichen Sitten der Juden erzählt, welche doch in so kurzem Zeiträume sich nicht geltend ge« macht haben konnten. Aber auch nach AntiochuS Epiphanes kann dieser HekatäuS nicht geschrieben haben; von dieser Epoche ab hatte sich der Glaubenseifer noch über die einstige frühere Höhe hinaus gehoben. Wir können ihn also nur der mittleren Periode der Scleneidendyuastie — zwischen Alexander und AntiochuS — zuweisen. In dieser Periode hatte sich hellenistische Bildung und