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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 56

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
Die philosophische Bedeutung der Vierzahl
Date
1856-01-01
Page
Seite 56 (sequence 2)
Language
German
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56 Wissenschaftliche Aufsätze. These gelangt war: ״Die Zahl ist das Wesen aller Dinge"'). Frühe schon bei dem ersten .Erwachen der Reflexion und des ForschertricbeS im Menschcngcschlechte war eö das Streben desselben, einen letzten Grund des Seienden auf philosophische»! Wege aufzusuchen. Die Natur, das Unmittelbarste, dem Auge zunächst Liegende, Greifliche war eö, was den Forschungsgeist zunächst gereizt. Ihren verschiedenen Formen, ihren mannigfaltigen Erscheinungen, dachte man, müsse ein erstes, im Wechsel verharrendes Princip zu Grunde liegen. Welches ist nun dieses Princip, fragte man sich, welches ist das im Wandelbaren Bleibende? welches ist der Urgrund der Dinge? — Wie die jonischen Naturphilosophcn dieses Problem gelöst, ist bekannt: sie verewigten die Materie. Der Eine nahm das Wasser, der Andere einen chaotischen Urstoff, ein Dritter die Lust als Princip der Dinge au ׳). Ein sehr bedeutsamer Fortschritt war cS daher, als dieser sensu»« listischcn Anschauung von der ewige» Materie gegenüber, die Pythago« räer eine höhere Lösung jeucs Problems versuchten. Nicht die Materie, die wir in ewige!» Wechsel begriffen sehen, kann das ewige und dauernde Princip der Dinge sein; sondern das Ewige ist das sich ewig selbst Gleiche, das wovon ich ein exaktes Wissen habe, die Zahl die ich berechnen, und die Größe die ich messen kann. Was ist an einem dreieckigen Körper z. B. das Bleibende? Nicht der veränderliche Körper, sondern das Dreieck, das in ewig gleicher Gesetzmäßigkeit, trotz aller Veränderung sich selbst gleicht, und nach unabänderlichen Gesetzen be« stimmbar ist. Doch zu diesem der Zahlcnlehre zu Grunde liegenden Gedanken, der aber bei aller Erklärung doch nicht recht klar und einleuchtend wird, gesellte sich noch eine andere weit klarere und durchsichtigere Idee. Man ging nämlich von der Anschauung aus» da in den Naturerscheinungen allenthalben eine höchst vernünftige Ordnung, vollkommene Zusamme»- stimmung, Symmetrie und Ebenmaß der verschiedenen darin wirksamen Kräfte, sowie überhaupt strenggeregelte Gesetzmäßigkeit unverkennbar vorherrscht — so müssen diese Gesetze der Natur in Zahl und Maß dargestellt werden können. Jene allenthalben sichtbare Ordnung und jenes strenge Ebenmaß in der Natur wußte man nämlich nicht passender zu vergleichen, als mit der Harmonie der Töne, die, obwohl an dem Körperlichen haftend und durch dasselbe bedingt, doch selbst als etwas 1) vl!*iv yap a’p&nol, ־a tl'Srj aüra xoä äpxa\ r<Zv ovtwv i'Uyo'txo. Arist. de anima I, 2. — Vgl. Metaphys. I, 5, 6. — 2) Vgl. Schwegler, Gesch. d. Philos. S. 5.

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