Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Versuch einer Erläuterung mehrerer dunkeln Stellen im Buche Daniel, mit besonderer Beziehung auf das 11. Kapitel
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829191-2854123--02627-2854158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wissenschaftliche Aussätze. 455 von Berthold und Herzfeld als entschieden angenommen wird, fein kindisches Gelüste nach göttlicher Verehrung mit seinem sonstigen, von Kenophon selbst geschilderten Charakter unverträglich gefunden. Dazu könnte man noch mehr befremdend finden, wie seine Schmeichler dem Cyrus gegenüber wagen konnten, diesen nominellen König zu einer solchen Demonstration despotischen Uebermuthes überreden zu wollen. Der Aufenthalt des Daniel im dritten Jahre des Belschazar zss ' Susa (K. 8) wird als unstatthaft befunden, da diese Provinz schon vor dem Regierungsantritte des Nebonides an das medische Reich übergegangen war. Denn wenn unter dem medischen Darms kein Anderer als der zweite Cyaxares verstanden werden kann, in dessen Namen Cyrus die Eroberung Babels vollzogen haben soll, so kann auch unter dem unterlegenen Belschazar kein Anderer als Nebonides, der letzte König Babels, verstanden sein. Wenn aber Daniel schon im dritten Jahre dieses Königs im Bereich seines medischen Gegners gelebt hat, so konnte er nach den damaligen Zuständen nicht füglich in der letzten Nacht seiner Regierung wieder bei ihm in Babel gewesen sein. Zu den inneren Widersprüchen wurden vorzugsweise die verschiedenen Angaben über die Dauer des Daniel unter Cyrus gezählt. Nach dem Schlüsse des ersten Kapitels hat er nur bis zum ersten Jahr des Cyrus gewirkt (1, 21). Der Schluß des sechsten Kapitels ist in einem allgemeinen Ausdruck abgefaßt, der aus ein viel längeres und rühmliches Walten des Daniel unter diesem Könige hinweiset (6, 29), und die Eröffnung des zehnten Kapitels (10, 1) läßt ihn noch im dritten Jahre des Cyrus eine Vifion erlangen. Die Wirrniß in der Anordnung der einzelnen Stücke, wo mehrmals von der Zeit eines späteren Regenten der Rücksprung auf eine frühere Zeit gemacht wird, hat sogar den behutsamen Krochmal so weit zur Annäherung an die Herzfeld'sche Weise bestimmt, daß er das ganze Buch mehr als ein planloses Aggregat zufällig anfgegriffener Sagen und Legenden, denn als ein in sich abgeschlossenes einheitliches Ganze betrachten will. Die Schwierigkeit der auf die Zahl vier reducirten Nachfolger des medischen Darms, bis zum Umsturz des persischen Thrones durch Alexander den Großen (11, 2), ist längst vielfältig besprochen worden, und scheint die Stelle sogar schon auf die Chronik des Philo influirt zu haben, welche sich bei genauerer Prüfung als eine Umschmelzung der Metasthenischen Regentengeschichte in der Art ergibt, daß die gleichnamigen Personen identificirt, und die Regierungszeit beider immer der