Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Holland
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 5)
- Language
- German
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444 Zur Geschichte der Juden in Holland. tngiesischen Juden, als Erfolg der Begünstigung Wilhelm des Dritten, und ihrer Verhältnisse im Haag, wenden wir uns wieder zu ihrem Hauptausenthaltsorte Amsterdam. Die Zähl der portugiesischen Juden daselbst wird in einer nicht angegebenen Quelle einige Zeit nach dem Utrechter Frieden auf 2400 Familien gerechnet, und werden sie dies beiweitem vornehmsten und reichsten Juden der Bereinigten Niederländer genannt. Großhandel blieb noch immer ihre HauptbeschLftigung. Hierzu kam noch vorzüglich der Wechsel- und Geldhandel, später auch der Actienhandel; daraus entstand, daß sie einen großen Theil ihrer Schätze in englischen Fonds, anlegten, die ihnen gute Zinsen versprachen, wodurch aber unter ihnen Waarengeschäfte sehr zurückgingen. Diese Veränderung wurde aber bei ihnen immer mehr die Veranlassung zur Spielsucht, und hei günstigem Erfolg zu verminderter Thätigkeit und gesteigertem Luxus. Es wäre aber ungerecht, den Juden die Schuld daran allein trägen zu lassen. In der damaligen Frist von Ruhe und Frieden trat allgemeine Entnervung und Erschlaffung ein. Der lange Friede hatte die früher mächtig pulsirenden Kräfte der Nation erschlafft; Pracht und Verschwendung stiegen ununterbrochen, und französische Ansichten, französische Literatur und Sitten und französische Eitelkeit, die auf das Vaterland im Allgemeinen einen so großen Einfluß übten, wurden auch unter den portugiesischen Juden immer mehr heimisch. Dennoch leisteten sie auch damals dem Lande manchmal ausgezeichnete Dienste. Bei der Belagerung von Bergen op Zoom durch die Aliirten im Jahre 1740 schaffte der reiche und angesehene amsterdamer Israelit Jsaac de Pinto, aus eigenen und seiner Glaubensgenossen Mitteln dem Staate sehr ansehnliche Geldsummen, und zu beiweitem niedrigeren Zinsen, als der Staat, da der Staatsschatz völlig erschöpft war, damals bewilligte; was den Generaleinnehmer Van Stopendorp peranlaßte, an de Pinto später zu schreiben ״er Habe den Staat gerettet". Im Jahre 1750 half derselbe Israelit den Zinsfuß der Schuldbriefe auf den Statthalter von 4 auf 3 Procent herabsetzen, wozu er und seine Freunde mit ansehnlichen Geldsummen Vorschüsse leisteten. Der Krieg mit England und die darauffolgende bittere Fehde zwischen den getrennten Parteien rüttelten auch viele Juden aus ihrem Schlummer. Ersterer vorzüglich gab der