Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Chanukka 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 6)
- Language
- German
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440 Zur Geschichte der Juden in Holland. Aber auch die kleinste Gemeinde könnte ein oder mehrere, besonders Waisen-Kinder, in diesem Geiste erziehen lassen und somit den Sinn fürs Judenthum erkräftigen, — Sagen ja unsere Weisen: הוהרו בבני עניים שמהם תצא תורה בישראל (Habet der Kinder der Armen Acht, durch sie wird die Lehre in Israel verbreitet). —- ». Zur Geschichte der Juden in Holland. Nach Kiunen 1). Von der Ansiedelung der Juden im Haag dis zu der Staatsumwälzung im Jahre 1798. Die Bildung einer jüdischen Gemeinde im Haag ist ein Ereigniß, welches in der Geschichte der Juden einen Wendepunkt abgibt. Sie bietet ein höchst interessantes Bild von der Ausbreitung ihres Einflusses bei der Behandlung der damals wichtigen Staatsangelegenheiten, die Europa's Loos bestimmten. Wilhelm der Dritte, der ihre Gewandtheit im Unterhandeln kannte, brauchte sie gerne in diplomatischen Geschäften, und ihr Patriotismus leistete ihm auch einige nicht unbedeutende Dienste. Auf ein halbes Jahrhundert von meist commerzieller, folgt nun ein anderes halbes Jahrhundert von mehr politischer Bedeutung, worauf später mit dem veränderten Standpunkte der Republik selbst in der Staatenreihe Europa's, auch bcx*• Einfluß der bis dahin ausgezeichnetesten portugiesischen Juden abnimmt, und an ihrer Stelle die wachsende Thätigkeit der deutschen Juden austaucht, die am Ende dieser Periode bei der Emancipation der jüdischen Nation und deren bürgerlichem Aufgehen in der niederländischen Nation, einen nicht unintereffanten Standpunkt einnimmi. Schon zur Zeit der Umwälzung von 1672 hatten sich im Haag einige Juden niedergelassen; aber der erste der einen Bürgerbrief erhielt war Abraham Polak, im 1.1675. Bald wuchs die Gemeinde merkbar an, vorzüglich als mehrere sehr reiche Juden diesen Ort zum Wohnort wählten, die in einem vornehmen Stadttheile schöne Häuser kauften; z. B. einen Theil der Gebäude an der Stelle, wo früher Bredewde's Hof stand. 1) Vgl. S. Jahrg. dieser Alonatsschrift, S. 122. Kiunen l. Könen.