Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Chanukka 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 2)
- Language
- German
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436 Chanukka 1855. eine ganz besondere Veranlassung zur Erneuung der Feier der Einweihung des Festes des Wiederanzündens und Leuchtend des fast erloschenen reinen Oeles. Deßhalb haben wir wohlerwogen zur Ueberschrift dieser Aufforderung ״Chanukka 1855" gewählt. Die jetzt übliche Zeitrechnung hat sonst nur für uns im bürgerlichen Leben Geltung, muß jedoch im religiösen uur so sorgfältiger von uns vermieden werden, als mit der Zählung von Schöpfung der Welt an, das jüdische Kind schon frühzeitig auf die auf der andern Seite alles durchdringen wollende Bekehrungssucht aufmerksam gemacht und dagegen gestählt werden soll. Was hätte es aber für diejenigen, die in der ״Neuzeit", die in der ״modernen Bildung" stehen, die das Messiasreich in der Herrschaft der Gottesidee, nicht aber in der Erhebung des Volkes Israel erwarten, genützt, hier an die Thaten der Makkabäer vor fast zweitausend Jahren zu erinnern? Für die soll hier aus der neuern Zeit die Nothwendigkeit einer Erneuung des Weihefestes bei Gelegenheit eines zweihundertjährigen Jubiläums vorgeführt werden. Sie mögen sich es deutlich machen, wie die Herrschaft der Gottesidee, der Liebe und des Friedens mit der Erhebung des Volkes Israel, als Trägers derselben, im innigen Zusammenhänge flehe; jede religiöse Unduldsamkeit aber, sowohl wie Leichtfertigkeit, diese Gottesidee verdunkeln und so das Friedensreich des Messias weit hinausschieben. In dem jetzt durch seine freisinnigen Institutionen, besonders auf religiösem Gebiete, hellstrahlenden England hatten die Juden in früherer Zeit Anklagen und Verfolgungen zu erdulden, wie nur in irgend einem andern Lande; und wurden endlich em Jahre 1295 ganz von da verjagt. Durch 365 Jahre — eine Periode, so lange wie die der Richter in der jüdischen Geschichte: von Jösua bis Saul — betrat kein Jude dieses ungastliche Land, das, mit nur kurzen Unterbrechungen, während dieser Zeit alle Gräuel des Bürgerkrieges bis zum Königsmord durchmachte. Erst im Jahre 1655 kam Menasse ben Israel, von Geburt ein portugiesischer Jude, der in seiner Jugend mit seinem Vater Joseph aus Lissabon, der Inquisition entfloh,