Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 430 (sequence 15)
- Language
- German
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430 Wissenschaftliche Aufsätze. in, 6 .9ועי! זד. אמר חכם אחד.בני דע נפשך ותדע בוראך) Aber obschon ihrer Wesenheit nach unergründlich, so kann doch die Forschung ihre Subftantialität und Jmmaterialität erweisen. — Beide, sowohl Rabbi Joseph Albo, als auch Ahron ben Elia, entscheiden sich für die Präexistenz der Seele. Letzterer führt einige Schriftbelege dafür cm. So z. B. sagt Kohelet: ״Der Geist kehret zurück zu Gott, der ihn gegeben hat". Wäre jedoch die Seele mit dem Körper zugleich entstanden, wie paßt dann der Ausdruck ״er kehret zurück"? Rückkehren heißt dorthin wiederkommen, wo man schon früher gewesen. — Rabbi Joseph Albo sucht den mehrjährigen Streit zwischen Schamai und Hillel (Erubin) — wo die Schule des Einen die Lehre ausstellte: es wäre für den Menschen besser gewesen, nicht erschaffen worden zu sein; während die andere Schule das Gegentheil behauptete — dahin zu deuten, daß die erstere Schule sich für die Präexistenz erklärte: für die Seele, die früher eines Daseins voll ungetrübter Seligkeit sich zu erfreuen, hatte, wäre nun freilich besser gewesen, in das irdische Dasein, in dieses Leben voll Kampf und Versuchung nicht versetzt worden zu sein. — Die andere Schule hingegen erklärte sich für die Coexistenz, und zwar nach der von uns oben entwickelten Theorie, daß die Seele nur eine hylische Potenz ist; wäre also der Körper, nicht entstanden, so wäre auch die Seele nichts ins Sein getreten. Jedes Sein ist aber immer besser als. das Nichtsein (כל מציאות טוב יותר מההעדר). — Auch kann ja durch intellectuelle Thätigkeit die bloße Potenz in eine wirkliche und zwar ewige Substanz verwandelt werden.— Nach langjährigem Dispute jedoch erkannte die letztere Schule die Unrichtigkeit dieser Theorie; sie stimmte daher der erstem bei, und sie lehrten nun beide einstimmig: Nachdem der Mensch einmal erschaffen worden ist, so soll er der Tugend und Sittenreinheit sich befleißigen, da nur diese es ist die seiner Seele die ewige Fortdauer verschafft. — 9) Diese Stelle findet sich auch bei Algazali (מאזני צדק S. 28): ואמר אחד חחבמים בן אדם דע נפשך תדע אלד,יך. — Herr Dr. Jellinek (Moses de Leon S. 10) findet dazu eine Parallele in dem arabischen Spruche: מן ערף 'נפסד. פקד' עדך דבח. — Auch Akeda (Pf 68, S. 131) hat eine ähnliche Stelle: ודרך כלל אמד החנם תמהני על מי שלא הניר אח נפשו ורוצה להשיג את אלהיו. —