Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Aus dem Orient
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
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Ans dem Orient. 415 Stifter desselben und das Dankgesühl, das uns gegen den Höchsten beseelen soll, der uns den glücklichen Tag, wo unsere sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen, hatte erleben lassen, genau und eindrucksvoll schilderte. Ein freudiges Hallelusah wurde nun angestimmt und unter Musik und Gesang begaben sich Alle erst spät geg'en Abend nach Hause. Die Eröffnung einer Mädchenschule in Jerusalem, und zwar in einem schönen Hause, mit schönen Bänken, Schultischen, großen Tafeln, Wandfibeln und erhöheten Pulten für die Lehrerinnen ausgestattet, hatte einigen unserer Glaubensgenossen die Furcht eiugejagt, man könnte mit der modernen Einrichtung auch die aus einem modernen Judenthume entliehenen Principe hierher verpfianzen; fie liefen daher in ihrem frommen Eifer in eine Synagoge, um den Begründer מחרים zu sein (über ihn den Bann auszusprechen). Die Vorsteher derselben, an deren Spitze der würdige und gelehrte Rabbi Jesaja Berdaki steht, haben aber sogleich ihre Mißbilligung darüber ausgesprochen und ihnen die Versicherung gegeben, daß in einem Institute, dessen Begründer so viele Opfer unserer heiligen Religion gebracht hat, solche Principe, wie sie glauben, gewiß nicht ausgenommen werden. Die guten Leute gingen auch ruhig nach Hause und kein Wort wurde mehr darüber gesprochen. Di. Löwe zeigte ihnen auch in dem Buche, wo das Schulreglemcnt eingetragen worden ist, die eigentliche Benennung dieser Anstalt, sie lautet: °בית הספר ללמד את בנות א״חב״י היושבים ב״אה״ק להתפלל מתון הספר ולרעת אלקי אבותינו בלב ונפש (Lehrhaus, in welchem die Töchter unserer isr. Brüder, die im heiligen Lande wohnen, zu beten im Gebetbuche und den Gott unserer Väter mit Herz und Seele zu erkennen belehrt werden sollen) und sie waren vollkommen zufrieden. Sir MoseS ließ für sie bei dem Morgengebete, als einen Beweis seiner Anerkennung ihres religiösen Eifers, einen טי שבירך machen und spendete reichlich für die Armen, ließ ihnen auch die Versicherung geben, daß er sie deßhalb mehr liebe und hochschätze. Wären diese Herren selbst zu ihm gekommen, er würde ihnen gewiß ein ansehnliches Geschenk gemacht haben. Sir Moses vertheilte diesmal bei seinem Aufenthalte in Jerusalem kein Geld, gab den Armen vielmehr deutlich zu verstehen, daß er etwas Besseres als Almosen geben für sie zu thun gedenke (worüber auch Manche ihre Unzufriedenheit und zwar wegen der drückenden Armuth ausgesprochen); er ermangelte aber dennoch nicht, vor seiner Abreise, angeregt durch seine unbegrenzte Wohlthätigkeitsliebe, aller Armen mit einer anständigen Gabe zu gedenken. Wie Sir Moses und Lady Montefiore von Seiten aller Autoritäten ausgenommen worden sind, haben bereits die Zeitungen