Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 3)
- Language
- German
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41 % Zur Geschichte der jüdischen Religionsgcspräche. Stellen .des babyl. Talmuds zu ersehen, auch die Juden so sehr litten, daß mancher Lehrer selbst die den Juden abholde römische Herrschaft erträglicher fandi) 2 * 4). — Aus dieser Periode datirt ein Religionsgespräch zwischen einem Magier und dem talm. Lehrer Ememar^). Der Magier sagte zu ihm: ״Dein oberer Theil (der Obertheil des Menschen) gehört dem Ormuz, der untere Theil dem Ahriman an". Er wollte nämlich aus dem Baue des Menschen das allgemeine Vorhandensein zweier Principe beweisen, des Guten, dessen Repräsentant Ormuz, und des Bösen, dessen Repräsentant Ahriman. Jener, auf diese Beweisführung eingehend, erwiderte: ״Da würde doch nicht Ahriman den Abzug durch seinen Theil gestatten!" — Die hierauf eintretende an Verfolgungen reiche Zeit des Jesdegerd H. und dessen Sohnes Firuz ließ Religionsgespräche nicht aufkommen: wo die Religion verfolgt wird, wird nicht über sie disputirt; und da bald hierauf der Abschluß des Talmuds erfolgte, so ist ein sonstiges Religionsgespräch zwischen Persern und Juden nicht aufbewahrt. — Zu bemerken ist noch, daß unter dieser Dynastie der Manichäismus in Persien entstand. Stifter war Mani (3. Jahrh.); seine Lehre vereinigte Christenthum und Zend. Die Grundlage dieser Lehre bildet die Annahme zweier Reiche, des Lichts und der Finsterniß; diese Materien hatten sich aber vermischt und aus der Vermischung ließ Gott die Welt bilden. Die Lichtmaterie soll wieder ausgeschieden werden und die Rückkehr zu ihr leiten zwei. Lichtnaturen, Jesus und der heilige Geist. Mani selbst ist der größte Apostel, der Paräklet*). In ethischer Hinsicht wird dieser Secte ungemein Schlimmes nachgesagt; und es soll sogar von ihren Priestern die zügelloseste Unkeuschheit gefördert worden fein5 6). Die im Talmud häusig vorkommende Benennung ״Min" (מין) ist nach Einigen die Bezeichnung für Glieder dieser Secte, die auch unter den persischen Juden manche Anhänger gefunden hattet. i) Vgl. Jebamot 63b. (Hittin 17 a und sonst. 3) Lebte unter dem von 400—421 regierenden Jesdegerd I. Vgl. Rapoport Erech Millin p. 35 ff. 4) Vgl. Gieseler Kirchengeschichte Band 1. S. 245 ff/ (Dritte Auflage.) 5) Vgl. die das. S. 416 Anmerkung 6 angeführte Stelle. 6) Vergl. das bei N. I. Kara Eben Haeser c. 4 angeführte Responsum des im 7. Jahrh. lebenden N. Natrona'i Gaon, wo derselbe den unkeuschen Wandel der zu diesen Sectirern, die er מאעים nennt, sich haltenden Juden