Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rede am Geburtsfeste Sr. Majestät, des Königs Friedrich Wilhelm IV. 15. October 1855
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
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410 Zur Geschichte der jüdischen Religioiisgespräche. geltenden patriarchalischen Verfassung, wo das Familienhaupt unbedingter Herrscher des Hauses, der einzelne hervorragende Wille leicht in Despotismus Umschlägen konnte, darum sollte der mos. Staat ursprünglich nicht eine Monarchie bilden. Erst wenn das Rechtsgesühl in Jedermann zum vollkommenen Bewußtsein gelangt ist, der Fürst auf seinem erhabenen Sitze sich ebenfalls als Diener des Rechts erkennt, im!liecht die leitende Norm seines Scepters und die Leuchte seines Thrones erblickt, ״mögen sie sich einen König setzen und nicht soll von ihm weichen das .Buch der Lehre" (Deuteron. 17, iS ff.): das Gotteswort als Wegweiser der Wahrheit und des Rechts soll mit ihm aus- und eingehen. Und diese Tugenden finden eine gesicherte Statte in der Brust des Königs, dessen Geburtsfest heute dieses Land feiert. Anerkennung des Rechts als höchstes den Fürsten leitendes Gesetz-war stets die Zierde des Hauses Hohenzollern: welch ein erhabenes Beispiel gab der große König, der Preußen auf den Gipfel seiner gegenwärtigen Größe erhob! Und dieses Recht wird von Friedrich Wilhelm dem Vierten mit frommem, gottergebenen Sinne überwacht; darum Ihm der Segen des heiligen Sängers: ״Füge hinzu Tage zu den Tagen des Königs, seine Jahre über mehrere Geschlechter hinaus!" Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Zweiter Artikel. Der Schauplatz der bisherigen, Einwürfe gegen die jüd. Religion und Vertheidigung derselben zum Ziele habenden Gespräche war dem größern Theile nach Palästina; die Zeit vom 1. Jahrh. vor bis 3. Jahrh. nach der üblichen Zeitrechnung. Mit Ausnahme Justins tritt noch auf keiner Seite Fanatismus, eine gewaltmäßige, den Gegner kränkende und verletzende Rechthaberei hervor: die Besprechung bleibt in den Schranken des ruhigen Ein Wurfes und der besonnenen Abwehr, trägt weit fern von dem Herben der Religionsstreitigkeiten den Charakter des friedlichen Gedankenaustausches. Werfen wir auch den Blick aus ein anderes von Juden reich bevölkertes Land: auf Babylon. Auf die in ihrer Ohnmacht hinsiechende