Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 2)
- Language
- German
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395 Recensionen und Anzeigen. seiner unlängst erschienenen kleusvieve. ״Sehr wenige Schriftsteller hahen an das Volk gedacht, sondern nur an die höher stehenden Klassen. Wo sind die Autoren, welche das Brauchbare und Heilsame für das Volk in Allen verstand!ichen.Sprache anziehend darzustellen verstehen? Md doch wächst täglich die Masse Solcher, die ein Bedürfniß sich durch Lesen zu unterrichten, zu bilden, zu-erbauen, zu erholen fühlen und sich .darnach sehnen.. -Hat doch fetzt das Volk auch auf niedrigen Stufen lesen gelernt: wozu aber, wenn .es an für dasselbe geeigneten Schriften mangelt? Sollte diese-Betrachtung nicht Talente erwecken, die jetzt eben so starken Reiz empfinden für das Volk zu schreiben, als bisher für dev Vornehmen und Reichen oder doch Wohlhabenden?" Beim Juden ist-das Bedürfniß sich zu unterrichten nicht erst jetzt, geweckt worden: selbst durch die finstersten Jahrhunderte ist bei ihm ein geistiges Streben wahrzunehmey, das sich bis auf die untersten Schichten erstreckte und dem man je nach dem verschiedenen Verlangen gerecht zu werden sucht?׳. Der jüd. .'Bücherschatz, der nie in der Absicht ״für den Vornehmen und Reichen oder doch Wohlhabenden zu schreiben" vermehrt wurde (und am wenigsten in neuerer Zeit, wo sich eine wahrhaft beschämende Gleichgültigkeit gegen jüd. Geistesprodukte bei den Vornehmen, Reichen re. kundgibt), ist reich auch an für nur Etwas Wissende bestimmten Werken, die durch Uebersetzungen für Jedermann brauchbar wurden, so daß auch das weibliche Geschlecht nicht leer ausging. Diese Werke sagen freilich dem Geschmacke unserer Zeit nur selten zu,, auch fehlt größtentheils das Verständniß für sie: die eigentliche Ausgabe bleibt aber noch immer dieselbe, das religiöse Gefühl zu heben und zu stärken. Nach diesem Ziele wird nun aus verschiedenem Wege gestrebt, theils durch Zeitschriften, theils durch besondere ihm gewidmete Werke: das ״Jahrbuch" nimmt rühmlichst an diesen Bestrebungen Theil. Es bekundet die Tendenz, das Selbstgefühl des Juden zu heben: durch Darstellung des Fortschreitens des Juden in Literatur^ Kunst und Gewerbe, überhaupt in allen Zweigen menschlichen Wissens-und Unternehmens, soll im Leser die Ueberzeugung hervorgebracht werden, welcher Fortschritte der Jude fähig ist und daß er mit wahrem Stolze die aus mancher Seite gegen ihn zur Schau getragene Verachtung mit gleichem Maße erwidern kann. Das Jahrbuch gehet zugleich auf die religiösen Interessen -— und diese allein bilden das Volksthum des Juden •—mit Würde und Wärme ein, und bringt ferner neben manchen die Wißbegierde fördernden Aufsätzen mehrere die Kcnntniß der gegenwärtigen religiösen und politischen jüd. Zustände fördernden Statistiken. — Wenden wir uns nun zur nähern Besprechung des Jahrbuches. Der erste Theil enthält den Ka-