Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829189-2854018--02527-2854044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
unter der türkischen Herrschaft. 379 gmen und nach der Seite der Wüste weit vorgeschobenem Punkt, um den reichsten Weidestrich zu beherrschen, den die Beduinen während des Sommers aufsuchen. Wenn nämlich die Beduinen im Frühling das Gras der Wüste von ihren Heerden haben abweiden lassen und das Wasser-in den Brunnen und den durch die Winterregen gebildeten Pfützen vertrocknet ist, so wenden sie sich in langsamerm oder schnellerm Schritte nach den Ufern des Orontes, des Jordans und den Seen von Damaskus, welche so zu sagen ihre letzten Hülfsquellen sind. Sie also verhindern dahin zu gelangen heißt sie in eine Lage bringen, in der sie alle Bedingungen annehmen müssen, die man glaubt ihnen rechtmäßig auflegen zu können. Die wie vorgedacht vereinigten Truppen hatten Befehl, die nahenden Beduinenströme anzuhalten und sie zu zwingen, um die Erlaubniß nachzusuchen, ihre Zelte auf den gewöhnlichen Weide- Plätzen aufschlagen zu dürfen. Diese Erlaubniß wurde gegen gewisse Bedingungen ertheilt, die nichts Uebermäßiges verlangten, die aber offenbar nach dem Plane des Oberstkommandirenden nur das Vorspiel zu ernsteren Bedingungen waren. — Die Feddhans kamen hierauf an: sie waren anfangs etwas zurückgeblieben, denn es war noch Gras in der Wüste; als aber die Sonne es verbrannt hatte, so mußten sie sich entschließen, Rechenschaft vor dem Stellvertreter der Pforte abzustatten. Die erste Bedingung, die ihnen aufgelegt wurde, war die Zurückgabe alles dessen, was sie etwa bei der Plünderung Aleppo's mit sich genommen, sowie die Zurückgabe der dem englischen Consularagenten gestohlenen 145 Kameele. Mit Letzterem waren sie einverstanden, hingegen fanden sie die Forderung der Aleppiner übertrieben und kehrten zurück, lebten (in der Wüste) wie sie konnten, erlitten aber außerordentliche Verluste. Wenn nämlich die Kameele nicht hinreichende Nahrung haben, so geben sie nicht mehr dieselbe Quantität Wolle, die Geburten vermindern sich in bedeutendem Verhältnisse, die Milch, die einen Theil der Nahrung der Araber ausmacht, nimmt ebenfalls ab; der Mangel an hinreichender Nahrung führt ferner eine Sterblichkeit herbei, die sich zuweilen von den Thieren auf die Menschen erstreckt. Das war eine sehr harte Probe; wäre sie das folgende Jahr erneuert worden, so würden die Feddhans vollständigen Ersatz, gelastet haben. Allein Emir Pascha starb, und ein gegen den Hauran unternommener Krieg