Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Syrien und die Beduinen unter der türkischen Verwaltung
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
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unter der türkischen Herrschaft. 373 hiervon nur wenig) in einem ausgebreiteten See, welchen reiche Weideplätze umgeben. In diesen See ergießt sich auch der oben gedachte Awasch, der vom Djebel-el-Scheik, der höchsten Spitze des Antilibanons, herabkommt, mit dem Barada parallel laust und mit ihm zur Bewässerung des damäskischen Gebietes zufammenwirkt. Man hat oft das Prachttableau beschrieben, welches Damaskus darbietet, die weiße, in einen großen Smaragdengürtel — ihren Gärten — eingefaßte Stadt. In der That bietet Damaskus eine der herrlichsten Ansichten, und schauet man von den benachbarten Gebirgen herab, so zeigt diese Landschaft dasselbe Bild wie Konstantinopel und Rio Janeiro; daher auch viele arabische Schriftsteller dessen blendende Schönheit gefeiert Haben. Die muselmännischen Legenden erzählen, daß, als Mahomed die in der Nähe von Damaskus liegenden Höhen von Salahiah erklommen hatte, er so sehr von dem prächtigen Bilde, das sich vor seinen׳ Augen aufrollte, hingerissen war, daß er ausrief: ״Es gibt nur ein Paradies, dieses ist im Himmel; und ich will daher nicht nach Damaskus gehen, ich fürchte dort ein Paradies zu.finden, das auf Erden ist""). — Mancher den Orient schnell durchlaufende Tourist wird einwenden, Mahomed hätte nur dürfen vom Gebirge herabsteigen und er würde sich überzeugt haben, daß Damaskus nur von der Ferne ein Paradies ist. Die Unreinheit der schmalen Gassen, das Traurige und Monotone an den aus Koth gebaueten Häusern ohne Fenster' würde bald in dem Propheten einen tiefen Ekel erregt und ihn überzeugt haben, daß, wenn es auf Erden ein Paradies gibt man es nicht in Damaskus suchen darf. Allein der ernste Reisende, der die Ruinen dieser Stadt und ihre Geschichte durchforscht hat, wird sich sagen, daß zu der Zeit Mahomeds Tamerlan noch nicht mit dem Schwert und der Fackel in der Hand diese Gegend durchzogen, das Feuer noch nicht die Stadt vom Grund aus zerstört hatte, die alten und reichen Familien nicht gewaltsam in entfernte Einöden weggeschleppt waren. Ruft man sich zurück die Gebäude dit Tamerlan zerstört haben mochte, und denkt sich die Gebäude Hinzu, die diese grausame Zerstörung überlebt haben, so ist man bald der Meinung 6) Vgl. auch Leu erstell Jahrg. dieser Monatsschrift S. 572 ff. und das das. von R. Petachia mitgetheilte Kafsidet. F.