Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Antonio Joseph
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 8)
- Language
- German
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335 Antonio Joseph. Derselbe besaß das eigenthümliche und gefährliche Talent, jede Art Schrift vollkommen genau nachmachen zu können und hatte den Muth, dasselbe sich zu seiner Bereicherung überaus zu Nutze zu machen. Er verwendete es nicht auf geringfügige Dinge, sondern beschränkte seine Operationen meist daraus, sie zuweilen gegen eine bedeutende Summe in Anwendung zu bringen. Er fälschte Handelsbriefe, öffentliche Sicherheiten, Tresorscheine und brachte es so weit, daß er sich den St. James-Orden und eine Commanderia oder Besoldung von dreitausend Ducaten verschaffte. Als er sich aus der Höhe seiner Macht und im Besitze großer Reichthümer befand, kam er auf den Einfall, den päbstlichen Nuntius, von dem er wußte, daß er sich auf dem Wege nach Lissabon befinde, aufzulauern, ihn in Sicherheit zu bringen und, indem er die Schristzüge, die Formel und den Styl eines Breve nachmachte, selbst die Rolle eines Nuntius zu übernehmen, der nach Portugal geschickt worden sei, um dort die Inquisition einzuführen. Dieser Plan wurde ebenso kühn ausgeführt, wie er erdacht war. Nachdem er das ganze Vermögen, welches er durch seine, früheren Schelmenstreiche erworben, gesammelt hatte, schaffte er sich eine angemessene Equipage an und kam nach Portugal als Legat des päbstlichen Hofes. Er ergriff seine Maßregeln so ausgezeichnet und verstand seine Rolle so geschickt zu spielen, daß er wie ein Diener des päbstlichen Stuhles empfangen und behandelt wurde. Dieses Possenspiel dauerte sechs Monate lang, während welchen er wirklich das Tribunal der Inquisition in Portugal gründete; nachdem aber endlich seine Verstellung entdeckt worden war, wurde er ergriffen und lebenslänglich zu den Galeeren verurtheilt. Dessen ungeachtet bestand das höllische Tribunal weiter und nachdem er aus seiner Hast befreit worden war, übernahm jener wahrhafte Dromio in der Person des Dom Diego die Functionen desselben. Von jenem Augenblicke an wurde die ganze Halbinsel purifieirt, die Juden und Ketzer wurden fast gänzlich vertilgt und das katholische Spanien wie das strenggläubige Portugal sing an zu werden, was es seitdem geblieben ist: der Abgrund der Armuth, des Verbrechens, der Jmmoralität, des Lasters, der Unlauterkeit, der gröbsten Unwissenheit und des niedrigsten Aberglaubens. Was diese beiden Königreiche wührend fast vier Jahrhunderten an Tugend und politischer Macht