Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Antonio Joseph
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Antonio Joscph. 329 Eontrole unterworfen werden könnte —, daß ferner die Juden die größte Anzahl der Schlachtopfer geliefert haben zur Sättigung der Gier, die reichste Beute zur Befriedigung der Habsucht und die lautersten und tugendhaftesten Frauen zum Frohnen der unkeuschen Leidenschaft der Inquisitoren, hohen Würdenträger, Beichtväter und wie sie sonst noch betitelt sein mochten, sind Thatsachen, die zu bekannt sind, als daß sie hier noch ausführlicherer Belege bedürften. Nicht minder ist es bekannt, daß unter den jüdischen Opfern in jedem Zweige des Wissens und der Literatur ausgezeichnete Männer genug waren, um den Neid einer Körperschaft rege zu machen, deren Macht allein durch die Verbreitung der Lüge und die Beförderung der tiefsten Unwissenheit erhalten werden konnte. Während nun die Namen einiger dieser Männer von der Nachwelt gekannt sind, haben einige, Dank dem Feuer der Inquisition, den Weg von der Erde zum Himmel gefunden, ohne daß ihre Namen außerhalb Spaniens und Portugals jemals genannt worden sind. In einer Entfernung von ungefähr neun Meilen von Braza liegt oder lag wenigstens noch vor vierzig Jahren die Abtei St. Martin de Tibaens, welche als die erste und am reichsten im Königreiche ausgestattete galt. Mit diesem Stifte war zu der Zeit, von der wir jetzt sprechen, eine große Bibliothek verbunden, in welcher die Werke eines jeden nur irgendwie bedeutenden portugiesischen Schriftstellers gesammelt waren. Die Werke eines jeden Autors sind von einer kurzen biographischen Skizze, einer Abhandlung oder Kritik eines jeden einzelnen Werkes begleitet und Diejenigen, deren Kenntniß der portugiesischen Literatur auf die Lusiade von Camoens beschränkt ist, würden nicht wenig erstaunt sein über die lange Reihe von Namen und die große Mannigfaltigkeit in den literarischen und wissenschaftlichen Erzeugnissen, welche sie in dieser großen Sammlung vorfinden würden. Unter den Autoren, deren Werke mit Sorgfalt aufbewahrt werden und in großer Achtung stehen, waren manche Juden, die ihre Muße und Arbeit der Erleuchtung eines Volkes midmeten, welches ihnen den Tribut seiner Dankbarkeit dadurch, zollte, daß es sie auf den Scheiterhaufen schickte. Einige unter diesen gäben zwar vor Christen zu sein und schrieben sogar zur Vertheidigung des Christenthums, indem sie ihre biblischen und rabbinischen Kenntnisse und ihre große Vertrautheit mit der heiligen Sprache bei dieser Gelegenheit,