Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aus den Vereinigten Staaten
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
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265 Aus den Vereinigten Staaten. während dieser Zeit keine regelmäßige Art des Gottesdienstes gehabt haben sollten; un.d ist eine Tradition bei den ältesten noch lebenden Leuten in Newport, daß von ihrer (der Juden) ersten Ansiedlung an ihr öffentlicher Gottesdienst in Privatwohnungen gehalten wurde. Zwischen den Jahren 1750—60 kamen mehrere reiche und ausgezeichnete Familien aus Spanien und Portugal nach New-England und ließen sich in Newport nieder, die bedeutend zur Bildung und zum Aufblühen des Handels dieser Stadt beitrugen. Viele unter ihnen waren Kaufleute, und Mr. Aaron Lopez in Newport besaß mehr Schiffe und ein ausgedehnteres Geschäft als irgend ein anderer Kaufmann. Die gegenwärtige Synagoge ward 1762 erbauet und dem Gotte Abrahams nach jüdischer Sitte geweihet mit großer Pracht und Herrlichkeit den 2. December 1763. (Mitte great pomp and magniflcence according to Jewish custom.) Um diese Zeit und lange nachher blühten die ausgezeichneten Fa- Milien Lopez, Rivera, Pollock, Lcvi, Hart und ihr letzter angesehener Geistlicher Jsaac Touro. Abraham Touro, Sohn dieses Geistlichen, starb in Boston 1822, ein Capital von zehntausend Dollar hinterlassend, zur Aufrechthaltung der Synagoge und des Begräbnißplatzes. Er hinterließ auch fünftausend Dollar, um die Straße, wo diese Gebäude sich befinden, in gutem Zustand zu erhalten. Der Revolutionskrieg, so zerstörend für Newports Handel und Wohlstand, bestimmte auch den größten Theil der Juden, die Stadt zu verlassen, und nach Beendigung des Krieges nahm der zurückgebliebene Rest immer mehr ab, so daß jetzt kein einziger mehr hier ist. Moses Lopez, Neffe des berühmten Aaron Lopez, war der letzte Jude, der in Newport wohnte. Wenige Jahre vor seinem Tode zog er nach New-Dork. Seine Leiche wurde nach Newport gebracht und an der Seite seines Bruders Jacob auf dem Begräbnißplatze ihrer Väter beigesetzt. Moses Lopez war ein Mann von nicht gewöhnlichen.Fähigkeiten; ein ehrenwerther Kaufmann, tiefer Mathematiker und von außerordentlicher mechanischer Geschicklichkeit. Er war in der Unterhaltung angenehm und interessant, und ein geistreicher Vertheidkger seiner Religion. Noch ist ein Umstand von dem achtungswerthen Jacob R. Rivera zu berichten, der sowol zu seiner Ehre, wie zu der der jüdischen Gesellschaft, deren Mitglied er war, dient. In einer Periode seines Lebens nöthigten ihn Unglücksfälle, in seinen ausgedehnten Geschäften zu falliren. Nach wenigen Jahren aber, als das Glück wieder seine ferneren Unternehmungen begünstigte, lud er alle seine Gläubiger zu