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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 7 · p. Seite 251

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 7
Article
Zur Charakteristik neuerer Reisebeschreibungen
Date
1855-01-01
Page
Seite 251 (sequence 2)
Language
German
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Zur Charakteristik neuerer Reisebeschreibungen. 251 Es ist eine traurige Wahrheit, beginnt van der Velde, daß die Menschen nur zu sehr geneigt find Alles was außerordentlich und wunderbar erscheint auszunehmen, die einfache und unverzierte Wahrheit hingegen nur schwer glauben wollen. Spricht man von Osten und Westen und erzählt, daß die Völker in diesen Regionen gleich anderen Menschen essen und trinken, schlafen und Wachen, so findet man selten Glauben. Man beginne aber mit einer wunderbaren Tigerjagd, und stehe! Aller Mund ist geöffnet und Jeder ist voll Aufmerksamkeit. Ich war neulichst in einer Abendgesellschaft, ein Dutzend Personen saßen um den Theetisch. Die Unterhaltung bewegte stch um Ostindien und das Gespräch kam bald auf die Thiere dieser Gegenden. Ich erzählte von der giftigen Schlange Cobra di Capella, von der harmlosen Ularsana u. a. Es ist also nicht wahr, sagte eine der Schönen, die am Theetische präsidirte, daß in diesen Gegenden Schlangen gefunden werden, ״die so dick find wie dieser Tisch"? Diese Vorliebe für das Wundervolle hat seit einigen Monaten einem Buche Verbreitung und einen gewissen Erfolg beim Publicum ׳ verschafft, über den jeder Nüchterne staunen muß. Ich meine den ״Reisebericht des Herrn von Saulcy", der neulichst in den Columnen eines leitenden Journals mit einer Anzeige beehrt wurde. — Ich kenne dieses Buch: ich habe die französische und englische Ausgabe mit großer Aufmerksamfeit durchgelesen. Als ich im October 1851 in Paris war, hatte de Saulcy dem Institut de France seine merkwürdigen Berichte über seine außerordentliche Reise vorgelegt. Doch die gelehrten Männer des Instituts sind nicht so leicht zu überwältigen. Quatremere griff Herrn von Saulcy wüthend an; andere Gelehrte ebenfalls, wenn auch feiner. Mir kamen diese Gespräche hart und mißliebig vor; doch der Gegenstand war von Wichtigkeit. Ich besuchte Saulcy und seinen Freund, Herrn Martin de St. Vivien *), und sagte ihnen daß ich im Begriffe sei nach dem heiligen Lande zu gehen und mich freuen werde, Herrn von Saulcy's Entdeckungen zu bewahrheiten. Mein Vorschlag wurde mit Vergnügen ausgenommen: Saulcy erlaubte mir eine 1) Der berühmte Geograph M. de St. Vivien. wird mehreren Lesern dieser Zeitschrift auch aus seinem Berichte über das alte ChaZarenreich bekannt sein. Vgl. 1. Jahrg. S. 45?.

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