Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. 217 den alleinigen Gott zurückbezogen werden könne (p. 246). Auf die Beweise, die Justin hiergegen anführt, wird der Leser wohl gern verzichten. — Bekannt ist die Beweisführung aus Jesaias 7, 14, wo Justin und seine Parthei übersetzten: ״Siehe, die Jungfrau ist schwanger u. s. w"; die Juden ״siehe die junge Frau u. s. w." und diese Stelle auf Hiskia bezogen (p. 138. 160) u. ff. Wir heben noch hervor Maleachi 1,11: ״Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergange ist mein Name groß unter den Völkern". Diesem Verse, den Justin nach seiner Weise benutzt, sollen die Juden entgegengesetzt haben, daß, wenn auch im Tempel zu Jerusalem allein Opfer dargebracht werden, die Juden, nach allen Orten zerstreuet, ihre Gebete an Gott richten und seinen Namen verbreiten: und so sei durch sie der Name des Ewigen allgemein verehrt (p. 388 ff). Diese Antwort mag Justin von einem Juden, mit dem er sich zuweilen besprochen und der, wie es scheint, ihm theilweise Stoff zu diesem fingirten Dialog geliefert hat, vernommen haben; die talmud. Auffassung (Menachot 110) ist: wenn auch die Heiden Götter anbeten, so erkennen sie doch den Einen Gott als den höchsten an. Diese Auffassung ist in Beziehung zu dem Prophet Maleachi unbestritten die richtige. Wir wenden uns nun zu der Entgegnung der Juden auf die oft erwähnte mystische Umdeutungsweise. Es ist bekannt, daß von christlicher Seite Gesetze, Erzählungen und Prophezeihungen symbolisch aufgefaßt wurden und nur dem Symbol allein Kraft und Geltung zugeschrieben wurde. So z. B. das Osterlamm, als Symbol des Kreuzes, da ein Lamm doch nur auf zwei kreuzweisen Spießen gebraten wird. (Wie bekannt wurde jedoch das Pesach — Osterlamm — anders gebraten, vergl. Pesachim 7, 2.) Das sehr häufig gebrauchte Bild vom Grundstein soll sich auf den Stifter der christlichen Lehre beziehend ebenso die Prophezeihung 1. B. M. 49, 11; auch sei Ps. 19, 6 ״Wie ein Held, durchläuft er freudig die Bahn" in solcher Weise zu beziehen u. a. m. Die Juden scheinen hierauf entgegnet zu haben, wenn die Schrift in solcher Weise aufzufassen sei, so sei der ganzen Mythologie Thür und Thor geöffnet. Bacchus, von Jupiter und der Semele erzeugt, war Erfinder des Weinstockes, soll in den Himmel gekommen sein und es wird mysteriös ein Esel mit ihm in Verbindung gebracht. Wenn nun dieses ״Er bindet an den Weinstock seinen