Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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206 Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Söhne, und wenn sie beisammen sind da hebt der Eine diese, der Andere jene Gottheit hervor, bis sie in Zank und Streit auseinandergehen." ״Siehe, sagte R. Josua zu ihm. Du kannst keine Meinungseinheit unter Deinen Kindern Herstellen, und willst daß wir mit Dir einer Meinung sein?" (Wajikra rab.4). Wie viel Treffendes hat diese Antwort auch der Bekehrungssucht späterer Zeiten gegenüber, blickt man auf die untereinander abweichenden und einander verketzernden dogmatischen Ansichten und Lehren! Steigen wir eine Generation weiter herab, so begegnen wir R. Merr und Ri Jose b. Chalifta, die, würdige Schüler ihres großen Lehrers R. Akiba, durch Belehrung wie durch Abwehr hervorragten. 9t. Mel'rs Antworten galten größtentheils Fragen über Wiederbelebung der Todten und gehören nicht ganz in dieses Gebiet der religiösen Eontroverse. Hinsichtlich der eigentlich religiösen Einwürfe kämpft er, da die an ihn gerichteten Fragen nicht von Ernst zeigen, mit den Waffen der Ironie^). — Wichtiger sind die mit einer vornehmen Nichtisraelitin gepflogenen Besprechungen 9t. Jose's. 9t. Jose mußte auf Befehl der römischen Machthaber Palästina verlassen und begab sich nach der im alten Troas gelegenen Stadt Assus, nach Anderen nach ßaobicea2 3). Eine vornehme Frau — sie wird stets סטרונא matrona betitelt — wendete sich hier mit Fragen an ihn, von denen wir mehrere heryorheben. ״Die Schrift erzählt, der Ewige ließ einen Schlaf aus Adam fallen und nahm eine von seinen 9tippen u. s. w, warum in Weise eines Diebstahls (die Rippe wurde ihm während des Schlafes 2) Die Besprechungen N. Me'ir's vgl. Chagiga 15 a. Beresch. reib. 4. 70. 94. Kohelet rab. zu 5, 10 und sonst. Vgl. auch Aprilhest S. 120 ff. 3) Bgl. b. Schabbat 33 d. Baba Mezia 84a. j. Aboda Sara c. 3 zu Anfang. Napoport Erech Millin v. א0^א. — Die Stadt Assus wird bei Plinius V, 32. Ptolem. V, 2 gedacht und ist auf der d'Anville'schen Karte verzeichnet: sie lag am Meere, unweit der wichtigen Stadt Alexandria Troas. Doch ist sowohl nach dieser Auffassung als nach der Erklärung Napoports, אסיא sei Sardes, schwer zu begreifen, wie Baba Mezia a. a. O. Laodicea mit אפיא in Verbindung gebracht wird, da die Entfernung sehr groß ist: Laodicea 35 Gr. a. Br., Sardes 39, Assus ungefähr 40. Gegen Sardes spricht auch der Umstand, daß, wie aus j,. Kilaim Ende zu ersehen, אסיא am Meere lag: 3t. We'lr starb^ zu אפיא und befahl daß man seinen Sarg an das Meeresufer setze; Sardes aber lag wie bekannt tief landeinwärts. Es scheint daß אפיא eine Stadt in Syrien unweit Laodicea gewesen sei.