Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 6 · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829178-2829185-2853777--02306-2853787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. (Fortsetzung.) Das zweite Jahrhundert der übl. Zeitr. zeigt noch andere Gespräche mit heidnischen Gegnern: die Besprechungen tragen auch hier einen friedlichen Charakter, die Antworten kleiden sich theils in Gleichnisse, theils in schlagenden nicht selten tiefe Wahrheit bergenden Witz. So wurde einst R. Josua ben Korcha, ein jüngerer Zeitgenosse des R. Akiba, von einem Heiden mit den Worten angeredet: ״Ihr nehmet an daß Gott die Zukunft weiß?" ״Und wie anders?" antwortete R. Josua. ״Nun, wie heißt es in euerer Lehre: der Ewige bereuete daß er den Menschen auf Erden geschaffen, und er hatte Verdruß in seinem Herzen" (1. V. M. 6, 6)1)? ״Wurde Dir je ein Sohn geboren?" fragte ihn R. Josua. ״Ja." ״Von welchen Gefühlen warst Du da ergriffen?" ״Ich freuete mich und ergoß meine Freude über Andere." ״Aber gedachtest Du nicht, daß dieser Sohn einst sterben werde?" ״Zur Zeit der Freude Freude, zur Zeit der Trauer Trauer." ״So ist es auch bei Gott: der Mensch war als er erschaffen wurde unverdorben, die spätere Verderbtheit vermochte nicht den Herrn von der Erschaffung dieses Werkes abzuhalten" (Ber. rab. 27). — Ein Anderer befragte ihn: ״Es heißt in euerer Lehre: Nach der Mehrheit sich zu neigen (2. B. M. 23, 2); nun bilden wir (die Heiden) die Mehrheit, warum schließt ihr euch nicht uns an?" Hast Du Kinder?" erwiderte ihm R. Josua. ״Du rufst in mir eine schmerzliche Erinnerung wach, antwortete Jener; ich habe mehrere 1) Wenn nun Gott die Zukunft kennt, warum erschuf er den Menschen, da er doch dessen einstige VerschlechLerung, die ihm zum Untergänge reif machen werde, voraus wußte? Frankel, Monatsschrift. IV. 6. 16

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.