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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 5 · p. Seite 192

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 5
Article
Hagadische Elemente bei den Kirchenvätern
Date
1855-01-01
Page
Seite 192 (sequence 7)
Language
German
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192 Wissenschaftliche Aufsätze. legis mandata comriaemorant, quae facere iubeantur in lege, et rursum triginta.sex (?) alia, quae prohibeantur in lege, et dici eis, ut argentum mandatorum domini plastae suo atque fictori (יוצר als Töpfer erklärt) reddant Deo, quod, quia facere noluerint, esse proiectos. Bre־viter indicare yolui, quid sentiant (Judaei). Der Sinn dieser Hagada wäre unverständlich, wenn wir sie nicht mit dem Original vergleichen könnten. Sie wird im Talmud (Chulin 92 a) mitgetheilt, daß jene dreißig Silberlinge sich auf die dreißig Gesetze (NW) bezögen, welche die Noachiten übernommen, aber nur drei davon beobachtet hätten. Die prophetische Symbolik würde demnach die Werwerfung des Heidenthums ausdrücken, weil es auch die wenigen Gebote nicht erfülle; die dreißig Silberlinge werden unbeachtet hingeworfen. Die Hagada lautet: וישקלו אתי שכרי שלשים כסף־עולא אמר■ שלשים מאות שקבלו עליהם בני נח ואין מקיימין אלא שלשה וכוי. Der Kirchenvater hat die Hagada jedenfalls mißverstanden, wenn er sie von den Bestimmungen versteht, welche vom Gesetze den Juden aufgelegt seien, und noch dazn von dreißig Geboten und dreißig — oder gar 36 — Verboten spricht. Man erfährt aus diesem Beispiele, daß manche Hagada ursprünglich gar nicht den harmlosen' Charakter hatte, den sie jetzt, ihrem Ursprünge entrückt und unter ׳andern ausgesührt, zu haben scheint. Die steten Reibungen zwischen Juden und Christen in den ersten fünf Jahrhunderten haben ohne Zweifel auf die Gestaltung der Hagada bedeutend eingewirkt. Die zerstreuten Hagadas in der kirchlichen Literatur mit den Originalen vergleichen, heißt ihnen ihre historische Berechtigung vindiciren und sie als Beleuchtung für manche geschichtliche Vorgänge verwenden, welche noch nicht genug aus dem Dunkel gezogen sind. Wie viele Hagadas würden uns minder absurd Vorkommen, wenn wir ihren Hintergrund kennten aus dem sie hervorgetreten sind! Gewiß hätten die Hagadisten mit mancher dem Wortsinne scheinbar fern liegenden Erklärung nur der maßlosen Typik entgegenarbeiten wollen, mit welcher die Kirchenlehrer einen unerhörten Mißbrauch getrieben. Es wäre daher sehr verdienstlich, sich angelegentlicher mit der Hagada zu beschäftigen, sie nicht blos als Text zu homiletischen Vorträgen, oder als literarhistorische Notizen zu gebrauchen, sondern ihren ursprünglichen Sinn und ihre tiefere Beziehung zu den Zeiterscheinungen, zu ermitteln. Dieses Studium anzuregen liegt in der Absicht gegenwärtiger Arbeit.

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