Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche. Kämpfe auf dem Gebiete des geistigen Lebens, wer wollte ihnen nicht Berechtigung zugestehen? Die Sonne kämpft sich durch Nebel zum ausstrahlenden Licht, durch den Widerspruch und den Niederschlag sich entgegenstehender Meinungen bricht die Wahrheit. Aber der Kampf muß enge innerhalb der Turnschranken des Geistes bleiben und nur aus dessen Rüstkammer die Waffen holen; wird der Leidenschaft Zutritt gestattet, dann hört der Kampf auf ein ehrlicher zu sein, die Lanzen sind vergiftet, der Sieg soll auch mit den unredlichsten Mitteln erworben sein. Mit Bedauern muß gestanden werden, daß selbst die reine Wissenschaft nicht jedes unbefugte Einmischen der Selbstsucht, wie des falschen Eifers für die vorgefaßte Meinung, stets fern zu halten weiß; Streitschriften tragen nicht selten Zeichen der, für jede andere Ansicht blinden Beharrlichkeit und der durch sie geweckten Erbitterung. Noch schwieriger ist solcher Kampf auf dem Gebiete der historischen Wissenschaften, wo häufig die ersten Voraussetzungen aus Grundlagen beruhen, die verschiedene Auffassungen zulassen; am schwierigsten und keine Aussicht auf ein Resultat bietend endlich der Streit zwischen aus verschiedenen Religionsgebieten stehenden Kämpfern. Wie soll der neutrale Boden gesunden werden? Jedes Bekenntniß hat seine Ueberlieferungen, die von dem andern Bekenntnisse entweder nicht anerkannt oder anders gedeutet werden: und da hier dem Theuersten, in welchem alle geistigen Faden des Denkens und innersten Fühlens zusammenlaufen, der Kampf gilt, so kann nur mit leidenschaftlicher Wärme gestritten, kann, da die Ueberzeugung feststehet und ihr treu bleiben eine heilige Gewissenspflicht ist, nur mit dem Vorsatze begonnen werden, sich nie für besiegt zu erklären. Es ist daher ein nicht geringer (Stautet, Monatsschrift. IV. 5. 13