Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in den Oasengebieten der Saharra von Tuggurt und Suf
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 9)
- Language
- German
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140 Die Juden in den Oasengebieten der Saharra re. voll Sand darauf warf und das Grab vollends geschlossen wurde. Nach vollendeter Beerdigung sprach David noch ein langes feierliches Gebet, wozu die Umstehenden bei jeder Abtheilung desselben ihr ״Amin" sprachen. Das Abendroth verklärte die biblischen Gestalten der noch einmal leise für sich hinbetenden Kinder Israels, und mein Geist fühlte sich in höhere Sphären erhoben. Ja, gewiß, die Erde ist überall des Herrn. Ueberall erkennt der Sterbliche ein Unendliches Wesen, nenne er es nun Jehova oder Gott, Tiru oder Brama, sowie seine eigene Nichtigkeit an dem Grabe seiner Lieben. Vielleicht umschließt auch bald meinen Leib der Sand der Wüste, oder meine Gebeine bleichen unbeweint und unbegraben in der weiten Einöde, und der über meinen Schädel stolpernde Araber zieht gleichgültig vorüber. Unter solchen melancholischen Gedanken trat ich meinen Rückweg an; meine Begleiter mochten in ähnliche Betrachtungen vertieft sein, denn kein Laut unterbrach auf dem ganzen Wege die Stille des Abends, und Lei unserer Rückkunft nach Taghzut zog sich Jeder still wie er gekommen war nach seiner Behausung zurück. Mein immer aufmerksamer Gastfreund David wollte Nicht, daß mir während der in Folge dieses Todtenfalles von ihm und seiner Familie streng beobachteten Fasten auch nur das Mindeste abgehe, und kaufte daher einen sehr schönen Fettschwanzhammel. Dieser Einkauf erregte die Eifersucht seiner liebreichen Nachbarn, und während ich einen Spaziergang durch die Stadt machte, brachten einige Moslemin ein mageres Schaf in den Hof Davids, und führten dafür feinen schönen Hammel mit sich fort, indem sie ihm höhnisch bemerkten, daß ein Jude nicht so fett zu speisen brauche. Bei meiner Zurückkunft erzählte mir David diesen Vorgang und sagte mir, daß dies einer der unzähligen Streiche sei, welche sich die mohamedanische Bevölkerung tagtäglich den armen Juden zu spielen erlaube. Ich sandte unverzüglich zu dem Vorsteher Sidi-Dschellali, welchem ich sagen ließ, daß der Hammel mein Eigenthum sei und ich deshalb hoffe, daß er mir zu meinem Rechte verhelfen werde. Dieser begab sich in eigener Person zu den Leuten, welche diesen erzwungenen Tausch bewerkstelligt hatten, und ehe eine Stunde verging war David wieder im Besitze seines Hammels, welcher