Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden in den Oasengebieten der Saharra von Tuggurt und Suf
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 6)
- Language
- German
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der Saharra von Tuggurt und Suf. 137 von Luxus und fast an unreinliche Aermlichkeit grenzende Schlichtheit dar. Zu dem gewöhnlichen Hausgewand der Araberinnen aus blauem Kattun oder ungefärbter Wolle tragen sie eine Unzahl großer, schwerer, silberner Ringe in den Ohren, u. dgl. Spangen an Armen und Beinen; bei den Reichen, wie z. B. bei der Mutter Rachel, find diese Geschmeide sogar aus massivem Golde. Es war wirklich ein sonderbarer Airblick, wenn Frau David Ben-Khalfa mit ihren goldbespangten Arrnen in den großen schwarzen Kochtopf fuhr und rüstig darin herumscheuerte, oder sich neben die heimkehrenden Ziegen setzte und die irdene Milchschüssel zwischen ihre goldenen Fußbänder einklemmte. So mögen ungefähr die Gattinnen der Erzväter des alten Testaments ausgesehen haben. Gegen Mittag ward uns durch die Bemühung Rachels eine Mahlzeit zu Th eil, tvie sie ein Fürst in der Saharra nicht besser haben konnte. Auf eine aus in Fleischbrühe gekochten Zwiebeln, Kohl und Kürbisschnitten, mit beigemengten Stückchen Schasfett bestehende Kraftsuppe, wobei der Filfilft oder rothe Pfeffer nicht gespart war, folgten verschiedene Ragouts von Schafsleisch, mit Zwischengerichten von in Essig eingemachten Citronen, eingesalzenen Oliven und getrockneten Aprikosen, nebst auserlesenen Datteln und getrockneten Feigen zum Nachtisch. Während des Essens circulirten porcellanene Schälchen mit vortrefflichem Branntwein, welcher von Vater David selbst aus Datteln gebrannt worden war; dabei trank einer auf des andem Gesundheit, indem sie die Hände, worin sie die Schälchen zum Munde zu führen im Begriffe waren, miteinander kreuzten und dieselben wechselseitig küßten. Dies und das mühsame Heraussischen der Suppenbrocken mit den Fingern ist das einzige dem Fremden Ungewohnte und folglich Beschwerliche bei den Gastmählern in der Saharra, worein man sich aber, bei einigem guten Willen, bald fügen lernt. Nach Sonnenuntergang kamen die Juden zu Taghzut, und mit ihnen diejenigen von G'mar, welche letztere zugleich ihre Neugierde befriedigen wollten, zum Gebet. David sprach die Gebete vor, und die Uebrigen riefen am Schluffe jedesmal ״Amen" aus. Ein kleiner Junge mochte mein Schweigen anstößig gefunden haben und rief mir wiederholt zu, mit einem 1) Wahrscheinlich das chaldäische פלפל, Pfeffer. S.