Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Literatur des Mittelalters
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 3)
- Language
- German
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124 Notizen. den er als eifrigen Anhänger des göttlichen Gesetzes und der Worte unserer Lehre kennt, so benimmt er sich so schlau, daß mam nicht, weiß, ob man ihn für stolz oder für bescheiden zu halten habe, Ich habe mir alle Mühe gegeben, mir von ihm seine Schriften zeigen zu lassen; er wies mich aber immer mit dem Vorgeben ab, er hätte sie nicht bei der Hand. Indes versicherten mir Leute, daß er den Bund gebrochen und die heilige Schrift figürlich erklärt habe. Als ich dies dem weisen Sulani mittheilte, erklärte er das Alles für reine Verleumdung;, er, Sulani, hätte ihn überall sich fireng an die religiösen Vorschriften halten und stets auf dem rechten Wege wandeln sehen.. ״Hätte ich ihm das Geringste vorzuwersen gehabt, sagte er, nimmer würde ich ihm eine Zuflucht in meinem Hause gestattet haben. Du siehst also, daß von Levi, dem Du zürnest, der Eine tadelnd,, der Andere lobend spricht. Eines jedoch weiß ich von ihm, was mir nicht gefallen will: er unterweist Jeden, ob alt oder jung, der ihn bezahlt, in der chaidäischen Sprache und Schrift" (?). Aderet antwortet darauf, Laß ihm mehr als Einer die Irrlehren des Philosophen Levi angezeigt, und es wäre nicht zu dulden, daß ein Mann wie Sulani das böse Beispiel gäbe, diesen. Lehren zu-folgen. Ueberdies richtete Aderet einen Brief unmittelbar an Sulani, worin er ihn dringend mahnt, Levi von sich zu entfernen. Umsonst vertheidigte sich dieser in einer Zuschrift an den Barceloner großen Lehrer, worin er seiner Beschäftigung mit der Philosophie kein Hehl hat, allein er habe, sagt er, ein eifriges Studium -der Wissenschaft und des Talmuds vörangehen lassen. Umsonst, Aderet antwortete. ihm scharf und schonungslos.- Diese Antwort, von der Sulani Kunde erhielt, machte tiefen Eindruck aus diesen, und da er soeben seine Tochter verloren hatte, schrieb er Levi das Unglück zu und wies ihn aus dem Hause. Glücklicherweise nahm ihn sein Vetter Samuel ben Rüben in Veziers bei sich aus und schrieb an Aderet einen langen Brief, worin er mit großem Lobe von Levi spricht und bittet, sich dessen zu erbarmen und nicht aufdessen Feinde und Anschwärzer zu hören; denn er sei unschuldig und ein echter Israelit. Ob Aderet guten Rath annahm oder seine Verfolgungen fortsetzte wissen wir nicht, denn bald , daraus, 1306, wurden die Juden aus Frankreich vertrieben, Ankläger wie Angeklagte verschwanden von der Bühne. Die Zeitgeschichte meldet nichts mehr von dem armen Verfolgten. Die Presse scheint die Härte der Zeitgenossen Levi's gegen diesen getheilt zu haben; denn die oben genannten Werke sowohl, als noch ein drittes ״Misrak-Kesef״) ‘־Silberne Schale"), eine Art Hochzeitsgedicht zur Vermählung seines Sohnes, find ungedruckt geblieben. Seine Werke über die heilige Schrift — wenn sie je existirt haben — sind nicht auf uns gekommen. S.