Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Literatur des Mittelalters
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 2)
- Language
- German
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Notizen. 123 Dieses vielbegünstigte Frühroth, Vorbote eines ruhmstrahlenden Lebens, ward Plötzlich getrübt. Ein unbekanntes Ereigniß — vermuthlich eine unglückliche Liebe — bannte ihn aus dem Vaterhause und dem Kreise seiner Freunde. In Montpellier von Moses Jbn-Tibbon angeregt, verfaßte er (1276, in seinem neunzehnten Jahre) zu seiner Zerstreuung ein hebräisches Gedicht unter dem Titel: ״Lssebsr botte honnefeseh wehalechascliim“ (״Gürtel der Riechfläschchen und der Amulete")*). In den zehn Gesängen sind die Principien der Logik, Physik, Metaphysik und Moral nach Aristotelischer Methode niedergelegt. In der Vorrede spricht er von einem andern prosaischen Werke : ,,Liwjat Chenn“ (״Kranz der Anmuth"), auf das, als ein in der Arbeit begriffenes, er in den Randbemerkungen zum genannten Poem öfter hinweist. Es ist eine umfassende Encyktopädie aller Wissenschaften, in zwei großen Partieen. Die erste, ״Jochin" übcrschrieben, hat fünf Abthcilungen: 1) Arithmetik, 2) Geometrie, 3) Astronomie, 4) Physik, 5) Metaphysik. Die zweite, ״Boas", besteht nur aus einer Abtheilnng in drei Abschnitten; der erste handelt vom Wesen der Propheten, der zweite von den Geheimnissen der Thora, der dritte von dem Schöpsungswcrke. Ein vollständiges Manuscript dieses Riesenwerkes kennt man in Europa nicht. Nur Bruchstücke bewahren die Bibliotheken zu Rom, Parma, Oxford, München und Paris. Carmoly vindicirt diesem Levi das Buch über Astronomie (in ״illonäs äs I'Oratorls" No. 11), das bis jetzt dem Levi ben Gerson zugeschrieben wurde. Die nächsten fünfundzwanzig Jahre seines Lebens find in Dunkel gehüllt; wir wissen nur, daß er fortwährend in Montpellier gelebt, dort öffentlich gelehrt, bedeutende Schüler gebildet, unter Anderen Salomon de Lunas, der zu dem Gedichte seines Meisters einen Commentar geschrieben hat. Im Anfänge des vierzehnten Jahrhunderts begegnen wir ihm, der Abfassung antijüdischer Schriften beschuldigt und aus Montpellier verjagt, als verfolgtem Flüchtling in Narbonne, wo er bei dem reichen und gelehrten Salomon Sulani eine Zufluchtsstätte findet. Anklagebriefe auch gegen diesen kamen an Salomon ben Aderet (oder Jdoat), den hochberühmten und in größtem Ansehen stehenden Rabbiner zu Barcelona, der nun gegen Sulani Schritte thut. Don Crescas Vidal aus Perpignan, der sich Sulani's annahm, entwirft folgendes Bild von Levi ben Abraham. ״Es ist ein Mann, der von frühester Jugend den Wissenschaften obgelegen. Er ist sehr versteckt, so daß Niemand außer seinen vertrauten Freunden in die Tiefe seiner Gedanken dringt. Spricht er mit Jemanden, קשר בתי הנפש והלחשים (*