Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus dem Orient
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
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. Briefe aus dem Orient. 103 ספרדים nennt, welche zu ihrem Rabbiner seit dem רב בעל דוכנים, einem Laquado, immer einen Sefardi ernennt. Doch besteht noch eine Familie von דינים, welche ihren Ursprung von der Familie des Königs David ableiten will, und diesem Vorgeben einige Vorrechte bei Heirathen und Sterbefällen verdankt. Die Stadt zählt außerdem 15 בסי ספר oder Schulen, von denen eine durch ein Legat eines reichen zu Bagdad verstorbenen Aleppiners erhalten, für den Unterricht der Armen, eine andere aber aus Kosten der Europäer für Erziehung der Waisenkinder bestimmt ist. Außerdem besteht eine Anstalt בקור חולים, welche durch einen Arzt die in ihren Wohnungen sich befindlichen Kranken verpflegen und besorgen läßt. So findet das Gute überall seinen Anklang, und wenn auch nur langsam, so verbreitet" fich doch allmälig, oft durch ganz unvorhergesehene Mittel, das Streben nach Veredlung und Verbesserung. So befindet sich in Jerusalem unter den Handwerkslehrlingen selbst ein verheirateter Mann, der Uhrmacher wird, und zu den erlernten Handwerken sieht man nicht nur, Schneider-, Schuhmacher-, Uhrmacher-, Goldarbeiter-, sondern auch Schlosser-, Zinngießer-, Tischler-, Tapezierer- und selbst Apotheker-Lehrlinge. Die bei 300 Mädchen zählende Schule wurde letzthin von der Gräfin Pizzamano, Gemahlin des k. k. österreichischen Eonsuls, befichtigt, welche mit den Arbeiten, von denen ein Muster nach Paris geschickt wurde, ungemein zufrieden war und die besten Hoffnungen für das Gelingen der Anstalt hat; und so wurde eine große Zahl dieser armen Geschöpfe aus den Händen der Missionäre gerissen, welche überall durch das Errichten von Schulen sich zumeist des weiblichen, im Oriente so sehr vernachlässigten Geschlechtes annehmen. Sehr viele, besonders sesardische Kinder lernten hier zuerst hebr. lesen und beten. Auch in Constantinopel hat die seit dem Monate November unter Leitung des Herrn Brunswick eröffnete Schule bedeutenden Zulauf erhalten, und wünscht man dort nichts sehnlicher, als bald in den verschiedenen von Juden bewohnten Stadttheilen, die zu weit von einander entfernt sind, um an derselben Anstalt Theil zu nehmen. Schulen errichtet zu sehen. Sehr viele, über 50 Kinder jetzt schon, zahlen sogar Unterrichtsgeld, und verrathen dadurch den in ihren Familien lebenden Hang nach Belehrung und Unterricht. Vielleicht wird es Ihnen erfreulich sein zu erfahren, daß die k. k. österreichische Gesandtschaft in Paris von Seiten des Ministeriums des Aeußern in Wien beauftragt und officiell ermächtigt wurde, mir anzuzeigen, daß S. M. der Kaiser v. Oesterreich seinem Jnternuntius in Constantinopel