Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur jüdischen Sagengeschichte
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 1)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsatze. 59 Wissenschaftliche Aufsätze. Zur jüdischen Sagengeschichte. Mit Bearbeitung eines Werkes beschäftigt, welches chie Zusammenstcllung der in älteren jüdischen Quellen befindlichen׳ Sägen und Traditionen über biblische Personen und Eigennamen.nebst genetischer Mvtivirung derselben enthalten soll, erlaube ich nur Folgendes, über Entstehung und weitere Verpflanzung der Sage von Abrahams wunderbarer Errettung aus dem Feuerosen den geehrten ׳Lesern dieser Zeitschrift zur vorläufigen Bcurtheilung mitzutheilen, meine darin ausgestellten Ansichten gern einer weiteren Begründung oder Widerlegung unterwerfend. Daß Abraham aus Nimrods Geheiß in einen Feuerofen geworfen worden und von den Flammen unversehrt geblieben sei, wird an sich von der jüdischen Tradition als unbestrittene Thatsache hingestellt, die schon im Targ. Jonath. zu Jes. 10, 32 (wenn die Stelle nicht interpolirt ist) vorkommt, im Talmud (Pesachim 118 a, Synhedr. 93a), in sehr vielen Midraschstellen (namentlich Bereschit rabba c. 38. 39. 63 .44 .43 .42־, Schemot rabba c. 18. 23. 44, Wajikra rabba c. 36. Dcbarim rabba c. 9, Midrasch zum hohen Liede 1, 13. 3, 6. 8, 8 u. 9, Tanchuma zu Gen. 12, 1. 25, 19, Exod. 29, 1,׳ Schocher tob zu Ps. 18, 30. 116, 18. 118, 5, Midrasch der 10 Gebote zu Gebot 2, Midrasch bei Bechaji zu Gen. 15, 7), in den Pirke R. Elieser c. 26 u. 52 (wo, vielleicht in Nachahmung der sieben Wunder des griechischcn Alterthums, die Errettung Abrahams aus dem. Feuerofen zu den sieben vorzüglichsten Weltwundern gezählt wird), im Pseudojon. Targ. zu Gen. 11, 28 u. 15, 7, im jer. Targ. zu letztgedachtem Verse und noch mannigfach ausgcschmückt und variirt im Tana debe Eliahu II. c. 25, in dem sogenannten Sefer hajaschar und andern spätem Sagenbüchern (als dem Maasse Abraham bei Elia ha-Cohen aus׳ Smyrna und bei Iellinek, Beth hamidrasch I, 25, in der Tischendorf'schen Handschrift nütgetheilt von Iellinek a. a. O. II. S. XXXIII) erwähnt wird. Blos über den Umstand, ob die Errettung durch Gott unmittelbar oder durch einen Engel und durch welchen Engel (Michael oder Gabriel) erfolgt sei, werden Lehrer des ersten oder zweiten Jahrhunderts als divergirend angeführt (vgl. Ber. rabb. c. 44, Midr. z. h. Liede 1, 12). Hieronymus (quaestiones in Genes. 11,28) kennt die Sage ebenfalls und verbindet damit sogar noch eine andere (in den uns vorliegenden Midraschim nicht vorkommende) angebliche Tradition, wornach Abraham's Lebensalter, das beim Zuge ans Charau (Gen. 12, 4) auf