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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 2 · p. Seite 58

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 2
Article
Briefe aus Berlin
Date
1855-01-01
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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58 Briefe aus Berlin. würdigen "Tempel der Gemeinde zu übergeben, den sie so gebieterisch braucht, wenn sie nicht über kurz oder lang in mehrere Sonderculten zerfallen soll. Die Schwierigkeiten, einen Tempel zu bauen, waren niäjf größer als diejenigen, die Knabenschule zu reorganisiren und die Neligionsschülc zu inftitniren. Geldmittel und der .gute Wille der Gemeindeglieder hätten dem Vorstande nicht gefehlt. Schon jetzt-zeigen sich die verderblichsten Folgen dieses Uebelstandes. Die alte Synagoge faßt die große Zähl der Beter nicht einmal an gewöhnlichen-Sabbaten, geschweige denn an den Feiertagen. Was war zu thtm? Man mußte sich Nach einem andern Locale umsehen, und die Speculation bemachtigte sich dieses - Bedürfnisses und bauete eine Nebensynagoge in der Hamburger Straße. Dieser Hamburger Tempel, wie man ihn nennt, droht aber der Rival der alten Synagoge zu werden; er benimmt sich ein wenig jugendlich keck und Vieles, was in jener perhorrescirt wird, ist in dieser gestattet. Wir haben also einen schönen Anfang zu einem neuen Schisma; kommen noch Leidenschaften hinzu, Sympathien oder Antipathien für oder gegen Persönlichkeiten, sowird der Hamburger Tempel sich von-der Muttersynagoge bald losreißen und einen selbstständigen Cultuseine selbstständige Verwaltung einführen, wozu einige Interessenten dieses- Tempels nicht wenig Lust haben. Hoffen wir, daß die neuen Gemeindecollegien diese Lebensfrage nicht lau behandeln, sondern ernstlich bedacht sein werden, die Einheit der Gemeinde mit-allen Mitteln zu erhalten. -— Am Auswärtigen einen Begriff von den Mitteln der Berliner Gemeinde zu geben, füge ich zum Schluß einige statistische Notizen hinzu. Die Gemeinde zählt ungefähr 13,000 Seelen, unter deMMahe an 2000 beitragssähige Mitglieder. Sie besitzt 11 große Häuser, von denen die meisten im Dienste der Gemeinde steheneinige aber vermiethet werden und circa 1000 Thlr. Miethzins tragen. Sie besitzt außerdem ein Capitalvermögen von 22,000 Thlr. und chatte für das Budget aufzubringen im Jahre 52 32,238 Thlr.- im folgenden Jahre 27,736 Thlr. Mögen diese reichen Mittel dazu verwendet werden, die Saat intelligenter Religiosität, die bereits ausgestreut-ist, zu schöner Blüthe zu bringen. ,

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