Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefe ans Berlin. 451 um sich in einer ihm gemäßen J-dviu zu äußern. Wir können daher nicht uml'in das Jactum zu rc^iftrireu, duß die Reform do; Delttscbfutbolicwimi* zunr Vater und die Mode zur Mutter Hut. ihr Vater ein Gmoriter imh ihre Mutter eine Kbititcrin; nur wollen nicht vergesseu daß sie zu. einer Zeit enrstauden ist, wo 'Adresseschreiheu als Lhat und ein Gebetbuch tragen und sieh hei einer Predigt amüsiren oder langweilen scholl als religiöser Akt galt. Ihr Berichterstatter gesteht ein, Gegner der Reform zu sein und daher nicht die Uupartheilichteit Zli besitzen, sie unbefangen zli heurtheijen׳. es ist daher keineswegeS meine Absicht eine Polemik nach irgend einer cito bin zu eröffnen, ja ich enthalte mich lieber, naher auf den h'haratter des Reformeultus und ihrer Träger eilizugeheu. Nur der eine Umstand darf nicht unerwähnt bleiben, dast sie innerhalb der Berliner Gemeinde eher einen Rückschritt, eine Umkehr, als einen Fortschritt bezeichnet. War früher die Religiosität hei einer ganzen .Ulasse der Berliner Judenl׳eit, das 'Resultat der Voltairianisck-Friedländeriseben Rn schau ui; gelreise, gailz in den Hintergrund geschoben, so ist sie jeht — voll nnserm tandpunkte aliS belirtlnült - mindestells als Miiliillliln vorhanden, liild der kleillste Brnchtbei! ist doch noch immer großer als Null. Das Vorlesen aus der Tborarolle, wenn auch in einer homöopathischen Dosis, das Scheuui und die .Ueduseha in hebräischer Dprache, die Uoncession, die die Resorrn aus Rücksicht für den ortbodoren Theil ihrer Mitglieder in ihren Gnltus ausgenommen hat, würden in den Augen der Sendschreihler an den Prohst Teller als Alte-Weiberhigotterie erschienen sein. Jenes Schaamgesühl, das sriiber Manche empfände»;, »reilll sie sieb als Söhne des älteste); Kulturvolkes zahlen mußten, jenes selbstmörderische Bestrebell, sich von dieser Gemeinschaft loszulösen ulid sieh. in einen Winkel der herrschenden Kirche einzuhetteln, l׳at allck die Reform überwunden. Ihre Mitglieder wollen dein jüdischen Verbände angeboren, ja sie thun es mit einer Art Ostentation, iilld der jüdische Patriotismus ist bei Vielen so lebelldig, daß sie dieses für Religiosität ansehen und ihn; — warum soll man es nicht anerkennen — nicht geringe Opfer bringen. Ist es nicht ein Gewinn, daß so viele Ghrenmänner, dltrch Intelligenz, Vermögen und gesellschaftliche Stellung ausgezeichnet, sei cö durch einen Scchatten von jüdiscl)em Gnltus, sortfahren zum Inder;- thum zu zählen und die nicht sehr leichte Solidarität mit demselben übernehmen? Freilich muß man es als Pratension beurtheilen, wenn die Reformer wegen dieser reinen Aeußerlichkeit nicht blos als vollgültige ZRmeindeglicder gehalten sein, sondern auch ihren Cultus als berechtigt anerkannt sehen wollen, dessen Budget die Gesammtgemeinde in sofern