Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Geist der palästinischen und alexandrinischen Hagada
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 2)
- Language
- German
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388 Wissenschaftliche Aussätze. Halacha an und Hai nur einige hagadische Bestandtheile; aber diese einzelnen Momente ragen durch ihren hohen ethiischen Gehalt so bedeu- Lend hervor, daß sie in dem Eomplex der Hagada nicht übergangen werden können, und wir wenden uns daher zu einigen Bemerkungen über dieses Buch im Allgemeinen. Daß Sisra zur Kenntniß der Misehna imb Beraita von ungcmeiner Wichtigkeit sei, wird wohl von Niemanden! bei näherm Eingehen in Abrede gestellt werden. Er gibt selbst über die Stellung mancher Mischna bedeutenden Aufschluß und es dürste ans ihm manche Kenntniß des ursprünglichen Textes abznholen sein. So gehört Erachin 9, 8 zu den schwierigsten Stellen, und es ist nach dem vorliegenden Text kein anderer Aufschluß, als durch die vom Talmud das. angenommene Emendation אלא zu finden. Aus Sisra Emo׳r Perek 0. N. 4— 9 ergibt sich aber, daß die eigentliche Stellung der Mischna so war: הנהנים והלוים מוכרים לעולם וגואלים לעולם שג' גאולת עולם תהיה ללוים ישראל שירש אבי אמו לוי אינו גואל שכסדר הזה וכו'. Es liegen also zwei Lesearteu dieser Mischna vor (vgl. vor. Icchrg. S. 328): die des Sifra scheint die richtigere. — Man begegnet jedoch bei dem Studium dieses Werkes vielen Schwierigkeiten: b׳cr Inhalt erheischt das tiefste Nachdenken und ein genaues Eingehen auf manche entfernt liegende Gebiete; auch zeigt der Text an mehreren Stellen manche abschreckende Eorruptioneu. Hinsichtlich der zuerst gedachten Schwierigkeit mag jedoch erwogen werden, daß es endlich an der Zeit sei aus das Wesen der jnd. Wissenschaft einzugehen. Die neuere Forschung hat mit großem Erfolge das Gebiet des Formellen und des Literarhistorischen bearbeitet, und diese geistreichen Leistungen machen die Namen ihrer Urheber unvergänglich. Aber über der Eruirung von Ort, Zeit und Namen der alten Autoren, über historischen und geographischen Bestimmungen dürfen nicht diese alten Autoren selbst, darf nicht ihr eigentliches Leben, die Kenntniß dessen wodurch sie lebten und forileben wollten, verloren gehen. Die historische und formale Kritik will doch selbst eine wissenschaftliche Richtung anbahnen und die Bestrebungen, aus systematische Auffassung des Ueberkommenen lenken! Aber auch was den Text betrifft ist!nanches Abschreckende gemildert, da R. Aaron Jbv! Chajim in seinem trefflichen קרבן אהרן die richtigeren Lesearien hergestellt und überhaupt den Weg zur systematischen Auffassung angebahnt hat. Doch muß bemerkt werden, daß sich nichtsdestoweniger manche schwierige, mitunter auch fehlerhafte Lesearten in unserm Texte erhalten haben; und es wird gewiß manchem Leser die Mittheilung alter, von den heutigen Ausgaben weit abweichender Lesearten nicht unwillkommen sein. Die Seminarbibliothek