Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Lehrfreiheit im Judenthume
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 13)
- Language
- German
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Briefe ans Berlin. 377 obgleich die babylonische» Gclchrtc» sich ihrer Ucbcrlcgcnheit wohl bewußt waren und die palästinensischen Erlasse sich nur dann gefallen ließen, ivenn diese mit ihrer eignen Ucbcrzcugung nicht im Widcrspruchc standen. Unter Abaji und stiaba wurde die Lehrfreiheit, welche sartisch längst bestanden, auch prinripiell anerkannt, indem der kN'stere mit Aukuüpsuiig an ein biblisches Berbor erklärtel es sei allerdings unstatthaft,׳ daß in demselben Orte zwei (>01׳ legten entgegengeseate Ansichten vortrügen und so das Publicum in seiner religiösen Praxis irre machten; es läge aber durchaus nichts Anstößiges darin, wenn in zwei verschiedenen Ortschaften Kollegien beständen, die in ihren Lchrsätzcn nicht übereinstiiumen. Raba jedoch geht noch iveircr; nach ihm liegt das Unzulässige um darin, wenn in dein selben (rolleginin sich verschiedene Richtungen geltend machen, aus denen ividersprechende Lehrsäge hervvrgehen, iveil dadurch die ganze Autorität des Lehrkörpers nothwendig in ihre»! Lebensnervc angegriffen werden müßte; zwei verschiedene Kollegien hingegen, selbst wenn sie in demselben Orte sich befinden, dürfen ganz unbeschränkt jedes nach seinen eigenen Ansichten lehren, ohne daß das ftine aus daS Andere irgend wie Rücksicht zu nehmen veranlaßt werden müßte (s. Iebamot 14a). — Seit dieser fteit wurde die Lehrsreiheit im Iudenthuure, in dem Sinne wie sie in dem oben angeführten Satze אלו ואלו דב־י אלהים ausgesprochen ist, nie wieder beschränkt. — pi. Wies»er. Briefe aus Berlin. VIII. Von dein Augenblicke an, wo das rellgiose Princip durch das neu gewählte Mitglied des Nabbinats eine würdige volle Vertretung fand, mußten die Gegensätze, welche in der Geineinde factisch aber ungeschieden vorhanden waren, schärfer hervortreten; die Schäden, woran das Gemeindeleben kränkelte, wurden nach und nach bloßgclegt und auch dem blödesten Auge sichtbar, nur auf diesem Wege war aber auch die Heilung möglich. Diese Schäden waren so licfgreisend, so an'S innerste Mark der Gemeinde fressend, daß es nur der mechanischen l5ohasionstraft