Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Parallelen zu Schillers Bürgschaft, insbesondere in Beziehung auf eine jüdische, kritisch beleuchtet
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829164-2829174-2853307--01861-2853338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
340 Tu Parallelen zu Schillert Bürgschaft. Erhabenheit, da ihn die Freundschaft nicht unterstützt, und der Emir wie die Anwesenden überzeugen sich von der Allgemeinheit der Treue unter den Menschen und seben die Tugend hier als Großmuth, dort als Gerechtigkeit und bei dem Brüderpaare als Billigkeit in ihrer vollen Majestät glänzen. Ein Beispiel ähnlicher Hochherzigkeit iheilt zwar auch Diodor von Sicilieu an der gedachten Stelle mit. Er erzählt nämlich, wie ein Pnthagoräer, Namens ClineaS von Tarent, welcher gehört hatte, daß ein anderer aus der Gesellschaft, Prorus voll Eyrene, sein ganzes Vermögen verloren babe und in großer Noth sei, sogleich nach Eyrene reiste und jenen durch sein eigenes Vermögen rettete, obwohl er ihn noeb nie zuvor gesehen batte (ov^o'rL toutov £(0pax(0p); indeß erscheint uns die geübte Großmuth doch keineswegeö so erhaben, wie die in der arabischen Erzählung, denn abgesehen davon, daß sie sich nur das Vermögen und nicht auf das Leben erstreckte, liefert sie eben nur den Beweis für die Opferfähigkeit der Ordensbrüder unter einander, keines- Wegs aber für eine Hochherzigkeit, die, fern von aller persönlichen Zu- Neigung an einem völlig Unbekannten geübt wird. Von orientalischen Bearbeitungen dieser Erzählung finden sich übrigens noch zwei in dem bekannten Buche 1001 Nacht und zwar eine in der Sage von Noamaun III,, Sohn Mundsirs IV., Königs von Stira, U'0 der sich einstcllende Schuldige erklärt, daß seine Religion, das Ebristcntbum ihm diese Handlungsweise gebiete und dadurch Noamans Bekehrung zum Ebristentbume veranlaßt. Die Schlußworte daselbst lauten wie bei Schiller: ״Und Noamaun sprach: Bei Gott, ich liukbtc der dritte von Euch beiden fein!" — die sich hierfür mehr Jnteressirenden verweisen wir aus die lehrreiche Notiz am Schlüsse der gedachten Uebersetzung in dem Magazin, wo sich auch noch mehrere lcsenöwerthe Bemerkungen von Herrn Steinschneider und Herrn Prosessor Fleischer in Leipzig finden. Dürfen wir nun, nachdem wir sammtliche uns bekannt gewordenen Parallelen für unsere Erzählung in dem Obigen zusannnengestellt haben, die fast wörtlich übereinstimmende Darstellung bei Porphyrius und Jamblich, eben weil sie dem Berichte des Aristoxenus, eines Zeitgenossen des Tyrannen Dionys, folgt, mit Recht alö die ursprüngliche und am wenigsten verfälschte ansehen, so haben wir den Ursprung einer weit verbreiteten Sage ermittelt und einen hoffentlich nicht unwillkommenen Beitrag zur Sagenkunde geliefert. Wir sehen nämlich, wie ein Ereigniß, aus welchem eben nur die große Anhänglichkeit ersichtlich iss, mit welcher die Mitglieder des pythagoräischen Ordens einander er-