Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 311 fo grossen tonangebenden Gemeinde vorznstehen, der in einem nrsprünglici) judeuseindlichen Lande vermöge seiner wissenschaftlichen Leistungen und persönlichen Verdienste Judenthum und Nabbittat zu Ehre und Auerfennttttg gebracht hatte. Aber die Uuterbandlungen, die man mit demselben angcknüpft batte, zerschlugen sich, als derselbe als Grundbedingung seiner Wirksamkeit Selbstständigkeit verlangte, um die religiösen Interessen mit Ernst und Nachdruck zu wahren, eine Selbstständigkeit, die der Staat in seiner damaligen Befangenheit gegen das Judentbum nicht zu geben - vermochte. Wieder verstrichen einige Jahre, bis der Vorstand, aus einsichtsvollen, minder einseitigen Mitgliedern bestehend, es dahin brachte, eine Wahl zur Ergänzung des Nabbinatü zu treffen, die auf eine Persönlichkeit fiel, welche der bis dabin stummen Orthodoxie einen beredten Mund lieb und ihr eine Macht tiefer religi-öser Ueberzeugnng, verbunden mit poetischem Schwünge und überhaupt in- ^endliche Frische znsührte. Durch diese Wahl trat das berliner Gemeindeleben in ein neues Stadium, von dessen Wirkungen die umnittelbare Gegenwart noch beherrscht wird. Wissenschaftliche Aufsäße. Hagadische Elemente bei den Kirchenvätern. Von Dr. H. Grätz. Ursprung, Ausbildung, Krystallisation und Sammlung der Hagada'S sind heute fast noch eben so dunkel, wie zur Zeit, als Junz" ״gottesdienstliche Vorträge" r!och nicht geschrieben waren. Eine Menge Fragen, die sich bei der Betrachtung der Hagada von -selbst ausdräugcn, erwarten uoch immer ihre Lösung von der Zukunft. Ist Alles, was man unter Hagada im weiteren Sinne begreift, blos freie Beherrschung und Anwendung des biblischen LehriuhaltS? Hat die Tradition, die doch in der Halacha unbestreitbar ist, gar keinen Antheil an ihr? Und wenn dem so wäre, wol-er kommt es, daß hagadische Momente Ln so verschiedenen Literaturkreisen angetroffen werden? Durch welche seine Spiralgefäße hat sich das hagadische Fluidum in so weite Verzweigungen durchgewunden, wo man eS gar nicht erwarten sollte? Es ist bekannt, daß die disjecta membra der Hagada in der jüdischalexandrimschen Literatur zerstreut liegen: in der Septuaginta, bei 23 *