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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 7 · p. Seite 285

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 7
Article
Die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina
Date
1854-01-01
Page
Seite 285 (sequence 2)
Language
German
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285 Die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina. hat versiegen machen, so rufet den Mmächtlgen an, daß er in seiner Barmherzigkeit die Herzen eurer Brüder aus dem Hause Jakob lenke, auf daß sie sich bellen die Angst eurer gebeugten Geister zu erleichtern. Brüder aus dem Hause Israel, die Ihr in dem glücklichen England und in Amerika lebet: Ihr Hüter ihrer Synagogen und Vorsteher ihres Gottesdienstes, und Ihr treue Anhänger, die Ihr in Euren Gebeten den einstigen Ruhm Eures Volkes gedenkt und hoffet daß er wieder an brechen werde wenn die Zeit erfüllt sein wird; Ihr Söhne der Barmherzigkeit und der Liebe, deren Schild das Schild der Patriarchen ist; von Gott erwähltes Volk, Söhne Juda's und Benjamin's, Euch rufen wir im Namen der Religion und Brüderlichkeit an: erwachet und rettet vom Untergang das Haustein der treuen Hüter Zions und Jerusalems! — Wir können auch ein nur schwaches Bild des Elends geben das uns erdrückt. Jedes Herz ist krank, jede Zunge stumm. Die Worte ״was sollen wir sagen, was thun?" kleben von der östern Wiederholung an uuserm Gaumen; und niedergedrückt an Geist und Körper vermögen wir nicht die Härte der uns heimsuchenden Prüfung zu beschreiben. Wir wissen nicht ob die Aussicht mit der uns der Morgen bedroht schrecklicher ist als der Tag der folgen wird, oder als der Tag der vorüber ist; ob wir mehr die Leiden der Gegenwart oder die der Bergangenheit beweinen sollen. Hungersuoth und Pest reichen einander die Hand; das Jammern der Armen, der Wittnau und Waisen erfüllet die Lust. Es läßt sich nicht sagen welches Elend größer.: ob das der unter der Sonne Jndäa's Geborenen oder das der frommen aus entfeinten Gegenden hierher Gepilgerten. DaS Unglück hat sich über alle Klassen und Stände ergossen: Synagogeuhäupter und Diener, Lehrer und Schüler sie drängen sich in die Menge der um ein Stück Brod Flehenden; beim auch die Unterstützung, die wir bisher von unfern Brüdern in Rußland und den unter türkischer Herrschaft gebenden Brüdern erhielten, hat gänzlich ausgehört', während von der andern Seite durch die Hungersnoth der Preis der Lebeuönlittel zu einer unerhörten Höhe gestiegen und ein Zustand der Gesetzlosigkeit und der Verwirrung herbeigeführt worden ist, wo die Hand des Bruders sich gegen den Bruder erhebt und nur Gewaltthätigkeit herrscht. Und ach, wer könnte ruhig den uns bedrohenden schrecklichen Tod mit anscheu, den durch Hunger herbeigcführtm Tod! Wer mit anseheu, wie nacheinander die Frau seiner Jugend und die Kinder seiner Liebe vor seinen Augen in's Grab hinabsteigen! Brüder; wenn Ihr Zeugen wäret des uns erdrückenden Elends wenn Ihr sehen würdet die umherirrcnden, vergebens für ihre verhun-

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