Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur neuesten jüdischen Literatur in England
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 17)
- Language
- German
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Bin׳ neiieftoii j«dischm Literatur in England. I8ö Doch warum fährt sie auf und wird bleich und neigt ihr Haupt vorwärts, ald Hörle sie einen Laut von schlimmer Borbedcutung? Ich konnte nur das Murmeln eines rieselnden WafferS vernehmen, aber ihre Unruhe schien zu wachsen, je lauter das Rauschen wurde: sie blickte rückwärts und versuchte den "früheren Weg eiiizuschlagen, doch der erbarmungslose Ostwind flüsterte ״vorwärts", und sie ging mit bleichem Gesichte und zitternden Gliedern vorwärts. Und als sie so sortschritt welkten die Orangen, und abgestorbene Blätter sielen geräuschlos aber traurig aus den Boden. In wenigen Augenblicken war sie. ohne den glänzenden Sonnenschein wieder zu gewinnen, durch den jeizk traurigen Hain gegangen; schwere Wolken verfinsterten den Himmel mrd ein dichter Nebel hatte sich erhoben, der die Landschaft in einen undurchdringlichen Schleier hüllte, Felicia blickte weder aus die Wolken noch ans den Nebel, denn einige Schritte vor ihr erhob sich eine finstere Welle, ein Fehltritt und sie stürzte in dieselbe. Die welken Blumen sielen eine nach der andern von der Gestalt die sie geziert hatten, und unter den Guirlanden und Gewinden erschien Felicia s bisher nicht beachtetes .stästchen. Iegt zum erstenmal untersuchte sie es. allein die durch die Blumen entstandenen Flecken machten es unmöglich die eingegrabenen Worte zu entziffern. Ach. wohin sollte sie nach Trost und Hülfe blicken? Oben der zornige Himmel, hinter ihr Bilder zu denen sie sich nicht zurückwenden vermag, vor ihr daö verhängnisvolle Wasser, das die finsteren Wollen abspiegelr und von dem geheimnisvollen Nebel begrenzt ist. Thränen. Heise Thränen entstürzten der Trostlosen und ich hörte von diesen bleichen zitternden Lippen dunkle Worte der Trauer und der Furcht. Und jeizt berührten ihre Füße den gefürchteten Rand und bald umgab sie die Welle, und dieses gebrechliche Wesen kämpfte schrecklich mit dem immer tiefer werdenden Wasser. Jeden Augenblick sank sie mehr und mehr und ich konnte zuleht nuv einen weisen Punkt auf der grauen Flut bemerken. Doch der Nebel hellte sich allmählig ans und ich entdeckte in nicht weiter Entfernung das eiirgegengesepte Ufer eines der Ströure der Insel; und dieselbe doch sich unähnliche Felicia stieg mit Anstrengung das schlüpfrige Ufer hinauf. Ein Werk der Jahre schien in dieser kurzen Spanne Zeit vollendet; denn Jugend, Fröhlichkeit und Schönheit waren verschwunden. MoriatSschrift. UL. 2. 14