Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das jüdisch-theologische Seminar
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829164-2829169-2852997--01586-2853016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12S DaS jüdisch-theologisch« Seminar. Pflicht, dem Rufe zu folgen, der ihn mit der Leitung der Anstatt betraut. Bon gleich) lebendigem (?ifer für das Unternehmen erfüllt, sind die Herren DU. I. Bcrnaps und H. Grätz als Mitwirkende herzugetreken. Die Abtheilung für Rabbiner wird zuerst eröffnet und so dem Perlangen der Gegenwart entsprochen werden, welches zumeist auf Heranbildung fähiger Venreter des Glaubens und seiner Wissenschaft gerichtet ist. Zur Erreichung dieses Ztveckes wird erfordert: Studium der jüdischen Theologie in methobischer Auffassung und in materialer Vollständigkeit, vereint mit all gern ein er gelehrter Bildung. Nur bei m e t h o d i sch c r A ri fasstt n g kann es gelingen, den massenhaft angehäustcn Stoff jüdischen Wissens zu bewattigen und zugleich die, dem Studium jüdischer Theologie entwöhnende dialektische Richtung, aus welche nicht verzichtet werden soll, in wissenschaftlicher Strenge zu regeln. Die Forderung materialer Vollständigkeit zieht zunächst in den Bereich des Seminarunterrichks: Bibelstudium und hebräische Sprachsünde. Mischna, Talmud, Midraschim, Religionsphilosophie. Neben diesen Disciplincn, welche schon in früheren Jahrhunderten mit staunenswerthem Scharfsinn und Ehrfurcht gebietendem Tiefsinn bearbeitet worden, haben neuere Forschungen noch andere Wissenszweige hervorgetrieben, denen die gebührende Beachtung nicht versagt werden darf. Unentbehrlich ist ferner eine Anleitung sowohl zu öffentlicher Bolksbclehrung, in der Richtung welche ihr unsere Zeit gegeben, als zu Belehrung der Jugend, mit Rücksicht auf die, von der Vergangenheit verschiedenen, gegenwärtigen Verhältnisse. Währeud der Rabbiner vergangener Tage den religiösen Elemenkarrurterricht voraussehen durfte und seine eigentliche Lehrer- Aufgabe in Ausbildung der schon erwachseneren und vorgeschritteuen Jünglinge erkannte, inuß der jetzige Rabbiner seine volle Aufmerksamkeit und eingehendste Sorgfalt dem Unterricht auch der frühen Jugend zuwenden, sei es nun daß er ihn selbst erthcile, oder ihn überwache und leite. Kaum bedarf es der Erwähnung, daß allgemeine gelehrte Bildung, wie sie auf Gymnasien und Universitäten erworben wird, in den Studienkreis des jüdischen Theologen fällt. Die jüdische Wissenschaft hat immer die edleren Theile der jedesmaligen Zeitbildung mit dem eigenen Geiste zu durch-