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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 2 · p. Seite 57

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 2
Article
Briefe aus Mähren
Date
1854-01-01
Page
Seite 57 (sequence 2)
Language
German
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©riefe aus Mahren. 57 und Industrie eiimehHen. Der Handel mit Robprodueten und Korealicn ist grösttentbeils in ibren Händen. Sie sübren der in Biäbren blühenden Tuchfal'rifation die Wolle zu und versorgen die Hauptstadt der Monarchie mit Lebensmitteln, da das ltzetreldegesebäst m Mäbren sehr cn vogue ist. In ©riinn besitzen sie selbst Fabriken und in Sternberg erbalten sie die l^arnsabrit'ation im l^ange. Durcb den Kleinhandel versorgeil sie den Bauern mit den Notlügen Waaren, der durchaus den Juden nicht feindlich gesinnt ist. Man denke sieb einmal die 30,000 Juden weg aus Mäbren, utld dessen Wohlstand erleidet einen starken Schlag llild der Austausch von Produeten ist zum Tl'eil gcbeinmt. Der Bauer, dem nur ein kleiner Markt einer kleinen Stadt offen stände, würde seine Früchte nicht so gut verwertben t'önucn, und seine Kleidungsstücke würde er tbenrer bezahlen müssen. Die Tausende von Metzen Getreide, welche der Fielst eines Juden allmalig zusamuienkaust und sie der Hauptstadt des Reiches zusulrt, wurden ohne denselben zerstreut!md kaum süblbar werden. Was der Juden!׳ast sonst Sebaeber nennt, das bat der nationalskonomische Fortschritt als Bermittlnng zwischen Prsdneenten llnd konsumellten uns würdigen gelehrt. Und soll man etwa den Juden einen Berivnrf daraus machen, dast sie Branntweinbrennereien besitzen oder pachten? Sie stehen daiuit nicht allein, da das Reebt der Branntweinproduetion ein Privileginm der Herrschaften war und da allch Christen für die geistigen (Getränke der Ballern Sorge tragen. Wird übrigens das Recht des Gnmd besitz es den Inden in Oesterreich wieder zurückgegeben werden, so wird ein niebt unbedeutender Theil der mabriseben Inden siel׳ dem Ackerbau widuien, tem sie durchaus nicht abgeneigt sind, wie die kurze krsabrnng der letzten Jahre es zeigt. Ueberbanpt sind die Inden' Mährens wegen ibres Fleistes. ihrer Tbätigkeit und ihrer Ausdauer in Oesterreich bekannt, wozu ein sprichwörtlich gewordener Scharfsinn sieb gesellt. -Für das Gedeiben der Provinz eutbalten sie wichtige Elemente, deren Anerken- Ullng niebt ausbleiben kann, in einer Zeit, wo die Handelsintereffen in den Bnreau'S der Minister eine so hervorragende Stellung einnehmen. — VI. Obwohl die Juden einer Provinz in der Regel einen eigenthumliehen provineiellcn Typus annehmen, so unterscheiden steh doch die einzelncn (Gemeinden von einander urld einige derselben verdienen daher besonders hervorgehoben und eharakteristrt zu werden. Die erste Stelle unter allen mährischen Gemeinden nimmt die zu Proßnitz ein, wenn

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