Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Israeliten von Laghouat
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Israeliten von Lagheuat. 5,5 sie die eine Hand auf das Her;, während sie mit der Andern die deS Hrn. Widal äußerlich berührte und sie nach ihren Vip־ pen führte. HS war die ansbreckende Freude eines Unschuldvollen KindeS! Und wahrlich war diese schöne GlaubenSgenvssin, obgleich Mutter, noch ganz Kind und mochte, nach den Formen ihres Antlitzes 11;׳ schließen, kaum 15 oder 10 Jahre;äh len. ״Hs gibt also auch in Frankreich Iebudim, wie hier?" fragte sie mit erstauntem Blicke, nach einigem Zögern. ״Allerdings,;antwortete Hr. W.I und sie sind daselbst sehr zahlreich; sie lieben auch allesamint das ^aud, welches sie. als eigene Kinder ausgenommen hat." ״Alle Franzosen sind also nicht so böses" sagte sie in naivem Tone. ״Mein Kind, die Franzosen sind gar nicht böse (erwiedcrte der Begleiter des Hrn. W.> Tie sind großmüthig und gut; Deine Brüder werden früher oder später erkennen, daß eS vortheilhaster für sie sei, unter der Herrschaft der Franzosen als der Araber zu leben. Diese Worte schienen jedoch die junge Jüdin wenig zu überzeugen. Hin leichtes Kopsschültcln deutete an, daß sie noch zweifle. Die Ursachen ihrer Antipathie gegen die Franzosen lverden sich später zeigen. — Hr. W. fragte sie nun über den Grund ihres Schmerzes und ob er envaS zu dessen Minderung beitragen könne. Die Augen gen Himmel erhoben antwortete sie: ״Die Menschen können .nicktto für mich thuu. Adonai hat mich unglücklich gemacht, Adonai allein kann mich trösten. Ich beweine einen geliebten (Karlen und dies ist seine Waise." Bei diesen Worten zeigte sie aus das an ihrem Busen sanft schlafende Kind. — Aus die Fragen nach Namen und Verhältnisse nannte sie sich ״Noemia, Tochter des Rabbi Hliahn!" ihre Mutter heiße Rebckka. — Hr. W. theilte ihr hieraus mit, daß er Arzt sei und erklärte sich bereitwillig, mit ärztlicher Hilfe beizustehen, für den Fall daß einer ihrer Verwandten deren bedürftig sein sollte. — ״Gesegnet sei, Bruder in Israel", fiel sie daraus ein, ״deine Worte sind süßer als Saft der Datteln; der Allerhöchste hat Dich ohne Zweifel auf meinen Weg gestellt, damit Du meine arme Mutter heilest, die seit der dritten Woche nach dem Schebuothsestc krank ist. Wir haben Gebete an Adonai ge-