Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 463 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels. ■463 lim, Böotien, Makedonien, Antolien, Attkca, Arges, Corinth, den meisten Thcileu des Peloponnes und zugleich auf den Inseln Euböa, Cypern, Creta überall wohnen Inden/' Philo läßt auch in diesem Schreiben an Caligula den Agrippa die Gesinnung des Octaviau Angustus hervorheben. Aber in diesem Caligula und den ihm folgenden Imperatoren offenbarte sich welchen Schutz diese westliche Diaspora sich von außen zu gewärtigen habe; und ihre Lage wurde noch trostloser als der alte Griechenhaß neue Nahrung aus der, aus dem Schoße des Judenthums hcrvorgegangeilen Religion sog.- Ueberblicken wir nun das kurz entworfene Tableau 3]. Die Juden sind zur Zeit des zweiten Tempels nach allen Seiten der damals bekannten Welt zerstreuet gewesen: vom Persischen Meerbusen bis hinauf zum Caspischen Meere, von den Tigrisgegendcn bis zum Mittelmeere und über dessen Ufer hinans. Die Selbstständigkeit des Mutterlandes war ihnen kein politischer Halt: konnte doch Palästina kaum sich selbst durch diescn Zeitraum behaupten, sein Bestehen >var eine Reihe von Leiden, von inner» und äußert! Kämpfen. Nur das geistige Band das von Palästina, dem Sitze des Glaubens und der Glaubenslehre ausging hielt die Zerstreuten zusammen, erhielt die Vereinzelten gegen den Andrang so vieler feindlicher Elcmente. Dieses Band schlang sich auch um sie als der sichtbare Mittelpunkt anfhörte, der Tempel in Asche zusammensank. Zions wahrhaftes Panier war gerettet, und es blieb unversehrt als die wilden Flammen des Fanatismus und des Glaubens- Hasses im Mittelalter tvilder denn je anfschlugen; unter diesem Banner waren die Juden Sieger, errangen in der Mitte der Leiden einen hohem Triumph über ihre Bedrücker und Versolger. Und dieses Banner wird stets voranleuchteu. Der östliche Rücken der Erde sah eine Diaspora in vieltanscndjährigen Kämpfen, die Diaspora bereitet sich nun auch nach der westlichen Hemisphäre aus, wo ihr Freiheit winkt: auch dorthin wird die Fahne des Judenthums getragen, .das eine ewige unvergänzliche Bestimmung hat. Frankel. 3) China ist in diesem Tableau ausgelassen, da die dortigen Juden erst in neuerer Zeit eingewandert sind, vgl. Februarheft S. 56 ff.; und über die sogenannten schwarzen Juden in Indien herrscht große Ungewißheit.