Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 410 (sequence 2)
- Language
- German
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410 Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels. Reiche, endlich cmf Italien; unser Weg führt von den Tiger- und Enphratgegcnden bis an die vom Mittelmeere bespülte» Länder und Inseln. Doch iverden wir auch auf andere, außer dieser von Osten nach Westen sich ziehenden Richtung gelegenen jüdischen Colonien unsere Ansmerksamkeit richten. Nur Wenige hatten — wie Esra L, Ncchemja 7 berichtet wird — von der von dem Eroberer' Babylons, Cyrns, ausgesprochcnen Erlaubniß, wieder in ihr altes Vaterland hinanfzuziehen, Gebrauch gemacht. Dieser Mangel an Vaterlandsliebe erfüllte noch einen spätern palästinischen Lehrer mit solchem Unw'illcn, daß er einem babylonischen Gelehrten nicht die Hand reichen. wollte. ״Wäret, ihr Alle zn jener Zeit zurückgekehrt, dann hätte der Staat eine feste undnrchnagbarc Grundlage erhalten" (Joma 9). Doch scheinen nicht sowohl Stumpfheit und Gleichgültigkeit als die ungemeinen Beschwerden der Reise, von Lenen Esra 7 ein Bild gibt, noch mehr aber die Kämpfe und Widerwärtigkeiten die die Ankömmlinge in Palästina er-!»arteten, die eigentlichen Ursachen dev schwachen Theilnahme an dem patriotischen Vorhaben gewesen zu sein. Ein großer Thcil des Landes war während des Exils von fremden, später unter dem Namen Samaritaner bekannten Ansiedlern, besetzt!vorden; mit!velchen Augen die Zuriickgekommene« von diesen angesehen wurden, erzählen die letzten Bücher der heil. Schrift; wäre die zahlreiche in Babylon lebende Diaspora in ihrer Gesammthcit nach Palästina hiiiaufgezogcn, so wäre ein offener Kampf um den Besitz des Landes, dessen Ausgang zweifelhaft und der im günstigsten Falle den Argwohn des persischen Königs hätte erregen müssen, unvermeidbar gewesen. — Die Zusammenschmelzung Babylons mit dem persischen Reiche scheint den Anstoß zn noch einer andern und vielleicht zahlreicher!! Wanderung gegeben zu haben; die Diaspora breitete sich in nordöstlicher Richtung nach Persien und Medien ans. Man findet die Inden bald sehr zahlreich in Schuschau — Susa — der Residenz der persischen Könige, und, wie aus dem Buche Esther zu ersehen ist, überhaupt im ganzen persischen Reiche. Vielleicht mochten die früher durch die assyrischen Könige nach den mcdischcn Gegcndcn Vertriebenen des Zehnstämmereiches sich hier niit ihren vorlvärtS rückenden jndäischei! Briideru begegnet und mit ihnen verschmolzeü haben. — Der Sage, daß der Stamm Dan schon ziir Zeit deS ersten Tempels ausgewaudert und ein äthiopisches Reich gestiftet habe, dem sich die Stämme Ascher, Naftali re.