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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 10 · p. 388

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 10
Article
Briefe aus Mähren
Date
1853-01-01
Page
388 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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388 Briefe aus Mähren. etwas vornehm gegen ihn, allein er bringt gewöhnlich ein frommes Herz und volle Hände für die Armen mit, die auch den Dorfjuden hochachten. In der Synagoge, die ihm das ganze Jahr fehlt, ist ec sehr andächtig, und keine Ausgabe ist ihm zu hoch, um am Festtage zur Thora gerufen zu werden. In der Stadt findet er auch viele Glaubensgenossen, die er gespeist und beherbergt, da der mährische Dorfjude in der Regelsehr gastfreundlich ist. Auf die kurze Reife nach der Stadt, um die Feste zu feiern, freut man sich das ganze Jahr und man bereitet vor, was man Verwandten und dem Rabbiner, den der Dorfjude hochverehrt, mitbringen will. So lebt der mährische Dorfjude friedlich mit Juden und Christen, mit dem Pfarrer und den Bauern, schlicht und einfach, ruhig und fromm. Allerdings hat die neue Zeit viel von diesem Colorit verwischt: Luxus und Frivolität in religiösen Dingen sind auch in die Dörfer gedrungen» Dennoch wird der mährische Dorfjude noch lange ein treuer Stammhalter des Judenthums bleiben. Geist der palästinischen und babylonischen Hagada. Der Begriff H a g a d a ist ein sachlicher, ein ganzes Literaturgebiet umfassender, der, man möchte sagen mehr fühlals erklärbar ist. Rapoport hat in seinem neuesten Wecke hierfür die Definition ״Sagen, Er- Zahlungen, Legenden, öffentliche Vortrage" versucht. Aber abgesehen davon, daß zwischen der vierten Bedeutung und den vorhergehenden eine Verbindung zu einem allgemeinen Begriffe nicht zu ermitteln ist und daß ferner die Bedeutung ״öffentliche Vorträge" weit über den Begriff Hagada hinausgehet, da doch auch die Halacha öffentlich vorgetragen wurde, so wird in dieser Definition ein wesentlicher Bestandthei'l vermißt: religiöse und moralische Erklärung der heit. Schrift und deren Anwendung auf das Leben. Die Hagada hat erst im Laufe der Zeit sich nach ihrem Umfange entwickelt: in ihrem Entstehen entsprach sie unstreitig dem etymologischen Begriffe ״Sage" und im indefiniten Sinne das ״Sagen", undgab sich blos als einfachen Ausdruck eines in Religion und Sittlichkeit gegründeten Gedankens, ohne auf Geltung und Normirung Anspruch zu machen*). Allmälig 1) Vgl. Aunz Gottesdienstliche Vorträge S. 42. 58. Er gibt Hagada mit dem unetymologischen ״Gesagtes", vermuthlich um dem gewöhnlichen Begriffe

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