Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Miscellen [Nachricht] / Schwarzauer, M.
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 368 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Notizen. Behörden auch einen Israeliten, den Dr. Löwenthal, bisher am hiesigen deutschen Gymnasium thatig, zum Oberlehrer gewählt haben, hat den ungetheilten Beifall aller Einwohnerklaffen in doppelter Beziehung erhalten, einmal weil der Dr. Löwenthal hier bereits als-ein sehr kunstreicher und tüchtiger Lehrer, so wie als ein durchaus biederer Mann bekannt ist rc." Als trüben Gegensatz berichtet die N. Z. vom 16. August, wie der Oberrabbiner Sutro in Münster, bevor er zwei seiner Söhne dem Studium der Wissenschaft gewidmet, sich zuerst bei der höchsten Behörde erkundigt habe: ob auch seine Söhne einst nach vollendetem Studium Anspruch auf eine Anstellung haben würden; worauf er die zuverlässigsten Versicherungen erhalten. Doch der Eine von den Söhnen Sutro's, schon lange ein tüchtiger Baumeister, geht in Preußen mit seiner Kunst nach Brod. — Doch hat ihn der König von Holland reichlich beschäftigt.׳ Depping. Am 6. September 1853 starb in Paris G. B. Depping, ein Deutscher von Geburt, der durch seine Schrift: ״die Juden im Mittelalter" (deutsche Uebersetzung, Stuttgart 1834, 8. 419 Seiten) auch in jüdischen Kreisen bekannt ist. Finden sich auch viele Irrthümer in derselben, die in jener Periode, wo die geschichtlichen Studien auch unter den jüdischen Gelehrten noch nicht weit gediehen waren, weniger befremden dürfen —; so ist doch das redliche Streben des Verfassers anzuerkennen. Die Reihen der christlichen Gelehrten, die der jübischen Geschichte und Literatur ihre Muße widmen, lichten sich allmälig so sehr, daß man bald vergebens nach jüdischen Studien christlicher Gelehrter suchen wird. Sowohl vom materiellen wie vom geistigen Gesichtspunkte, liegt darin mancher Nachtheil: jüdische Werke finden weniger Käufer und manche anderweitige Kenntniffe, die der Erforschung der jüdischen Literatur zu Statten kämen, bleiben unbenutzt. Der Ghetto und die Juden in Nom. Unter dieser Ueberschrist schreibt ein Hr. Gr. in der Beilage zur A. A. Z. (7. Sept. 1853 ff.) Studien und Betrachtungen über die Juden in Rom. Der Vers, scheint wehr unwissend als böswillig zu sein. Seine Bewunderung über die Zähigkeit der Hebräer, würde sich steigern, wenn er das Geistesleben der Juden in Rom kennen möchte. Immanuel, der witzige und geistreiche Verfasser der ״Mechabberot" könnte Hrn. Gr. belehren, daß die Juden im Ghetto frisch an Geist und reich an Gewüth waren. Das stolze, weltbehercschende Rom ist untergegangen, der Triumphbogen des Titus ist die einzige Erinnerung an dessen Sieg über Judäa; die Juden aber leben heute noch als lebendige Zeugen des Secharjahsschen Wortes: ״Nicht durch HeeresmachL und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige -er Heerschaarenl" — Interessant ist aber die MitLheilung des Vers., daß auch Pius IX. bei seiner Thronbesteigung eine prachtvolle hebräische Bibel von den Juden Nom's erhielt?) *)Die etwas gewagten CombinaLionm des Hrn. Dr. Grätz in der obigen Reeension, die (S. 353 ff.) gestützt auf einen jungen Midrasch die erhebendsten .Faeta wir müssen zu unserem Bedauern sagen — mit einem Anfluge von Hyperkritik verdächtigt, wird nächstens eine ausführliche Besprechung näher beleuchten. F.