Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Bayern
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Bayern. 345 sässiger aber in Würtemberg domicilirender Mediziner seinen neugebornen Knaben nicht beschneiden lassen zu wollen erklärte. Der einschlägige bayrische RabMer suchte denselben zuerst durch Vorstellungen, Warnungen u. dgl. zur Abänderung seines Entschlusses zu bringen; nachdem jedoch alle diese Mittel vergeblich angewendet waren, machte der ׳Rabbiner der Be- Hörde die Anzeige von dem ungesetzlichen Verhalten jenes Mannes; es wurde aber von allen Instanzen gleichlautend der Bescheid gegeben, daß die weltliche Behörde in dieser Angelegenheit nicht (ingreifen könne (?), und der geistlichen die Anwendung jeglichen Zwanges untersagt sei, und so nicht nur der Beistand, der anderen Confesstonen in ähnlichen Fällen zu Theil wurde, nicht gewährt, sondern auch dem Rabbiner ausdrücklich der Auftrag gegeben wurde, jenes unbeschnittene Kind gleich den andern im Kataster einzutragen. Es hat Gottlob jene in Bayern zum erstenmale vorgekowmene Weigerung gegen die Beschneidung noch keine Nachahmung gefunden, wenn auch die Religiosität der bayrischen Juden durch das fortwährende Umsichgreifen des Matrikalismus, der Genußsucht und Afterbildung immer mehr abnimmt. Stiftungen und Vereine zu speciell religiösen oder wohlthatigen Zwecken bestehen fast an allen Orten; unter den Stiftungen verdient besondere Er- Mahnung das Legat eines zu München verstorbenen Schleismann, der dasselbe auf zehn Ortschaften vertheilte, in denen es auf sehr verschiedene nicht immer im Sinne des Stifters liegende Weise verwendet wird. Von einem Theile jener Stiftung kann gegenwärtig gar kein Gebrauch gemacht werden, nämlich von jener Summe, deren Zinsen als Stipendium für jene Studirende der Philosophie an der Münchner Universität bestimmt sind, welche sich der jüdischen Theologie widmen wollen; nun findet sich gegenwärtig an dieser Hochschule nicht Einer, der dieses Fach zu dem seinigen gewählt hat, und sich der zur Erlangung jenes Stipendiums nothwendigen Prüfung 'aus dem Talmud bei dem Rabbiner zu München im Beisein der Administration unterziehen könnte. Diese Prüfung ist erst seit sechs Jahren festgesetzt; früher wurde der schändlichste Mißbrauch von jenem Stipendium gemacht, indem auch Solche, denen es nie in den Sinn kam, sich für das Rabbinat vorzubereiten, während der beiden philosophischen Jahre bei der Administration als der jüdischen Theologie Beflissene um jenes Stipendium petitionirten, und es auch ohne Weiteres erhielten. — Da ich auf das theologische Studium in der Hauptstadt Bayerns gekommen bin, will ich zugleich einen kurzen Bericht über dieses Studium in den übrigen Theilen des Königreichs und über Schulwesen überhaupt anfügen. Nur wenige Rabbiner haben einen kleinen Kreis von Jünglingen um Frankel, Monatsschrift II.